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Merkel und die CDU : Die Partei, die bin ich

05.12.2012 10:06 Uhrvon
Seid umfangen. Da kann sich Angela Merkel der Zustimmung ihrer Partei sicher sein – knapp 98 Prozent der Delegierten bestimmten sie erneut zur Vorsitzenden.Bild vergrößern
Seid umfangen. Da kann sich Angela Merkel der Zustimmung ihrer Partei sicher sein – knapp 98 Prozent der Delegierten bestimmten sie erneut zur Vorsitzenden. - Foto: REUTERS

Angela Merkel ist nicht nur das Beste, was die Partei zu bieten hat – sie ist praktisch das Einzige. Manche sehen das mit Sorge. Beim Parteitag in Niedersachsen zeigt sich die Macht einer Frau, die immer noch etwas mehr und etwas anders ist als bloß CDU.

Pathos, wenn es sich in Zungenbrechern äußern soll, kann schon mal knapp danebengehen. „Landauf, landein, landab“ – Angela Merkel hält kurz inne, noch mal: „landein, landauf, landab“ – das wird heute nichts mehr. Unten im Parteitagsplenum macht sich freundlich amüsiertes Murmeln breit. Sieh an, die große Vorsitzende, auch nicht immer komplett trittfest! Aber Merkel hat sich schon wieder gefangen und fährt fort damit, die eigenen Truppen zu selbstbewusstem Auftritt zu ermuntern, landauf eben, landein und nötigenfalls auch landab.

Das amüsierte Murmeln geht in geschäftsmäßiges über. Kratzbürstig kann so ein Parteitag sein, mürrisch, unwillig. Ausgelassen kann so ein Parteitag auch sein, übermütig. Die Delegiertenversammlung, zu der Angela Merkel an diesem Dienstagvormittag in der Messehalle in Hannover spricht, hat nichts von alledem an sich.

Nur die Niedersachsen sind ein bisschen aufgekratzt und rascheln mit ihren Pappschildern. Auf denen steht eine sonderbare Buchstabenfolge, hinter der Nichteingeweihte eine Reklame für einen bekannten Hackfleischbrater vermuten könnten oder für ein neues Produkt aus dem Hause Apple. „I’AM A MAC“ soll aber englisch sein und bedeuten, dass der Träger für David McAllister sei. In 47 Tagen, der niedersächsische Ministerpräsident hat es in seiner Begrüßungsrede vorgerechnet, wählen sie hier im Land ein neues Parlament. Die Wahl gilt als entscheidender Test für die Bundestagswahl ein paar Monate später. Das erklärt nicht nur, dass Hannover im Moment das Zentrum des deutschen Parteitagswesens ist – die Grünen waren gerade hier, die SPD kommt am Wochenende; wenn die Mitglieder des CDU-Bundesvorstands von ihrem Hotel aus über die Schnellstraße schauen, können sie an der Fassade der Messehalle 8 schon das große rote Logo der Sozialdemokraten erkennen. Die nahe Wahl erklärt auch einiges von dem, was die CDU hier zwei Tage lang vorführt. Sie zeigt dem Publikum nur das Beste, was sie zu bieten hat.

Das Beste trägt Schwarz mit einem kleinen beigen Kragenspiegel. Im hohen Mittelalter gab es eine Zeit, in der Kleiderfarben wie Signalflaggen eingesetzt wurden. Angela Merkel spielt das Spiel mit ihrem eigenen Kleiderschrank seit geraumer Zeit nach. Schwarz steht für „seriös“. Am Vorabend war das orangefarbene Kostüm dran, die Logofarbe der CDU. „Ich bin Ihr“, hieß das also. Das muss, sonderbar genug, immer noch mal wieder gesagt werden. Seit zwölf Jahren steht die Frau aus Ostdeutschland jetzt an der Spitze der Partei. Das ist schon fast halb so lange wie die Amtszeit von Helmut Kohl und im Grunde immer noch ein Wunder.

Kohl war so etwas wie der größte gemeinsame Nenner der größten Volkspartei. Merkel ist das auch nach zwölf Jahren nicht. Sie ist Merkel geblieben „mit allen Risiken und Nebenwirkungen“, wie sie in einer früheren Phase trotzig in einen Parteitagssaal gerufen hat, als da unten und neben ihr im Präsidium noch etliche saßen, die ihr die Führung streitig machen wollten.

Die sind allesamt nicht mehr da. Die neuen Stellvertreter, die der Parteitag später wählen wird, müssen sich einem größeren Publikum überhaupt erst bekannt machen. Die Bekannteste von ihnen, Ursula von der Leyen, geht mit einem nicht so tollen Ergebnis vom Platz – ein Denkzettel für die Eigenwillige. Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz bekommt dafür fast 93 Prozent, weil irgendwie alle sie mögen. Und der Letzte, der sich für einen Kronprinzen halten konnte, muss sich schulterklopfende Freundlichkeiten anhören: „Lieber Norbert“, sagt Merkel, als sie ihren gefeuerten Minister auch als Parteivize verabschiedet, „danke für deine Arbeit, alles Gute und auf gute weitere Zusammenarbeit.“ Norbert Röttgen nickt dazu. Was bleibt ihm übrig? Als Merkel ihn nach seinem Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen hinauswarf, war das der deutlichste Beleg dafür, was sich diese Kanzlerin inzwischen leisten kann. So was hat sich noch nicht mal Kohl getraut.

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Sie waren zusammen im Afghanistan-Einsatz. Jetzt sitzen sie auf entscheidenden Posten im Ministerium. Sie prägen das Bild, das sich die Ministerin macht. Sie bestimmen Ausrichtung, Struktur und Selbstverständnis der Truppe. Welche Folgen hat das für Deutschlands Sicherheit?
Eine Recherchekooperation des Tagesspiegels mit dem ARD-Magazin "Fakt".

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