Politik : Merkel will Dialog der Religionen

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Berlin/Istanbul - Angesichts ihres Türkei-Besuchs an diesem Donnerstag und Freitag setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einen Dialog der Religionen. Ein solcher Dialog in der Türkei könne auch Rückwirkungen auf Integrationsfragen in Deutschland haben, hieß es in Regierungskreisen in Berlin. Am Freitag kommen die Kanzlerin und der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan in Istanbul mit Vertretern von Christen, Juden und Muslimen zusammen. Dass darunter auch der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. sein wird, ist für türkische Verhältnisse eine Besonderheit, denn normalerweise vermeidet die türkische Regierung direkte Kontakte mit dem geistlichen Oberhaupt der 330 Millionen orthodoxen Christen in aller Welt.

In Ankara wird sich die Bundeskanzlerin zudem mit den Details des Zypern- Konflikts befassen müssen. Die EU droht ihrer Beitrittsbewerberin Türkei mit einem Abbruch der Aufnahmeverhandlungen, wenn sie nicht bis Ende des Jahres ihre Häfen für Schiffe aus dem griechischen Teil Zyperns öffnet. Die Bundesregierung unterstütze die Vermittlungsbemühungen der finnischen EU- Ratspräsidentschaft, hieß es aus den Berliner Regierungskreisen. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hatte bereits davor gewarnt, dass in der Zypern- Frage zwei Züge aufeinander zurasen. Der derzeitige EU-Ratspräsident, Finnlands Premier Matti Vanhanen, habe sich „auf EU-Seite schon einmal ins Bremserhäuschen gesetzt“, hieß es dazu. Wenn sich die türkische Seite aber nicht bewege, dann werde „der Unfall nicht zu vermeiden sein“. Beitrittsrabatte für die Türkei dürfe es nicht geben, hieß es weiter.

Zu einem Eklat in der Frage kam es am Mittwoch, als die türkische Regierung einen vom Umweltausschuss des Europaparlaments geplanten Besuch kurzfristig absagte. Die Türkei habe gefordert, dass der liberale zypriotische Abgeordnete Marios Matsakis aus der Delegation gestrichen werde, sagte Karl-Heinz Florenz (CDU), der Ausschuss-Vorsitzende. Nachdem man sich geweigert habe, habe die türkische Vertretung der EU mitgeteilt, der geplante Besuch sei „verschoben worden“.ame/güs

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