Mikrokredite : Für Millionen ein Weg aus der Armut

Das Friedensnobelpreiskomitee sieht in Mikrokrediten einen Weg, "aus der Armut auszubrechen". Deshalb ehrte es den Pionier dieses Konzepts, Muhammad Yunus, mit dem diesjährigen Preis.

Dhaka - Vor 30 Jahren hatte Yunus in Bangladesch begonnen, Darlehen an Besitzlose zu vergeben, und damit weltweit Schule gemacht.

Idee: 1976 startet Yunus, Agrarwissenschaftler der Universität Chittagong, ein Pilotprojekt: Seine Bank mit dem Namen Grameen, was in der Landessprache "Dorf" bedeutet, bietet besitzloser Landbevölkerung kleine Darlehen an, mit denen sich die Kreditnehmer zum Beispiel Vieh, Werkzeug oder eine Rikscha kaufen können. So sollen die Kleinkredite ärmeren Bevölkerungsgruppen, insbesondere Frauen, die Möglichkeit zur Existenzgründung geben. Die Darlehen müssen innerhalb eines Jahres mit einem Zinssatz von 16 Prozent zurückgezahlt werden. Danach können die Bankkunden einen neuen Kredit aufnehmen.

Nationaler Erfolg: 1979 beginnt die Grameen Bank ihr Angebot auf andere Distrikte des Landes auszudehnen. 1983 erklärt die Regierung von Bangladesch Yunus' Kreditunternehmen per Gesetz zu einer unabhängigen Bank. In Bangladesch vergeben mittlerweise mehr als 800 Nichtregierungsinstitute sowie vier Finanzinstitute Mikrokredite. Die Rückzahlungsquote liegt zwischen 88 und 99 Prozent. In dem südasiatischen Land verfügt etwa die Hälfte der 130 Millionen Einwohner täglich über höchstens einen Dollar Bargeld.

Internationaler Erfolg: Inzwischen wurde das Modell der Grameen Bank in mehr als 40 Ländern nachgeahmt. Laut einem Bericht der Weltbank vom Januar werden die meisten Mikrokredite mit einem weltweiten Anteil von 83 Prozent in Asien und der Pazifikregion vergeben. Hier nehmen demnach 17 Prozent der Bevölkerung die Kleinkredite in Anspruch. In Afrika und im Mittleren Osten leben zwölf Prozent der weltweiten Mikrokreditnehmer, in Europa und Zentralasien drei und in Lateinamerika und der Karibik zwei Prozent. Nach Angaben der Organisation Microcredit Summit Campaign bekamen 2004 rund 92 Millionen der ärmsten Familien der Welt einen Mikrokredit. Im Vergleich mit den 13,5 Millionen Familien im Jahr 1997 habe sich ihre Zahl also knapp versiebenfacht.

Grenzen: Trotz des großen Erfolgs stieß das Mikrokredit-Konzept auch auf Kritik. So würden die Finanzspritzen auf Pump zwar der ziemlich armen, jedoch nicht der allerärmsten Bevölkerung helfen, merken Experten an. Zudem könnten mit Mikrokrediten nicht die Wurzeln der Armut in der Welt bekämpft werden. (Von Salim Mia, AFP)

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