Militärjustiz : Pentagon: Manche Guantanamo-Gefangenen kommen niemals frei

Selbst wenn Insassen in Guantanamo durch das Militärgericht freigesprochen werden, könnten sie weiterhin im US-Lager festgehalten werden. Ein Sprecher des Pentagon begründet das damit, dass sie "eine Gefahr für die Welt darstellen".

Guantanamo
Gefangen in Guantanamo Omar Khadr in Angst und Verzweiflung. -Foto: dpa

WashingtonDie Insassen des US-Gefangenenlagers Guantanamo müssen ungeachtet vom Ausgang ihrer Militärprozesse mit weiterer Haftzeit rechnen. Selbst bei einem Freispruch durch die Militärjustiz könnten einzelne Terrorverdächtige bis auf weiteres als "feindliche Kämpfer" in US-Obhut festgehalten werden, sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell am Dienstag. "Es gibt einen beträchtlichen Anteil von Gefangenen in Guantanamo, die wahrscheinlich nie freigelassen werden, weil sie eine Gefahr für die Welt darstellen", sagte der Sprecher weiter.
  
Dies könne auch für den Al-Qaida-Verdächtigen Salim Hamdan gelten, gegen den in Kürze ein Urteil vor einer Militärkommission in Guantanamo ergehen soll. "Zumindest kurzfristig würden wir ihn weiter als feindlichen Kämpfer und als Gefahr einstufen", sagte Morrell. Auch nach einem Urteilsspruch würde Hamdan "wahrscheinlich noch einige Zeit" festgehalten. Die sechs Richter in Hamdans Verfahren hatten sich am Montag zu Beratungen über ein Urteil zurückgezogen. Nach Morrells Angaben gibt es in Guantanamo derzeit Pläne für noch mindestens 20 Verfahren nach dem Vorbild des Prozesses gegen Hamdan.
  
Hamdan ist der erste von den USA als "feindlicher Kämpfer" eingestufte Verdächtige, dem vor einer Militärkommission in Guantanamo der Prozess gemacht wird. Er ist wegen Verschwörung und Unterstützung des Terrorismus angeklagt. Hamdan war der Fahrer von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden. Das System der Militärkommissionen steht in den USA in der Kritik. Bürgerrechtler bemängeln sie als verfassungswidrig, weil die Rechte des Angeklagten im Vergleich zu ordentlichen Gerichten eingeschränkt sind. (mpr/AFP)

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