Milosevic : Zehntausende bei Trauerzeremonie

Eine Woche nach dem Tod des früheren jugoslawischen Machthabers in UN-Haft haben zehntausende seiner Anhänger in Belgrad Abschied von Slobodan Milosevic genommen.

Belgrad - Eine Woche nach dem Tod des früheren jugoslawischen Machthabers in UN-Haft haben am Samstag zehntausende seiner Anhänger in Belgrad Abschied von Slobodan Milosevic genommen. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer der Trauerzeremonie vor dem Parlament im Zentrum der Stadt auf bis zu 80 000. Der Sarg mit dem Leichnam war auf einer Bühne aufgestellt. Die Ehrenwache hielten Politiker seiner Sozialistischen Partei, pensionierte Offiziere in Festuniform und frühere Mitstreiter. Seine engsten Familienangehörigen kamen nicht zur Trauerfeier.

Im Anschluss wurde der Sarg nach Pozarevac (80 Kilometer südöstlich von Belgrad) gebracht, wo mehrere zehntausend Menschen Milosevic die letzte Ehre erwiesen. Im Hof des Geburtshauses seiner Ehefrau Mirjana Markovic wurde er unter einer Linde beigesetzt. Die Gattin ließ eine Nachricht an ihren Mann verlesen. «Diejenigen, die Dich ermordet haben, fordern auch meinen Kopf», heißt es darin. «Aber ich weiß, Du wirst ewig leben.» Zuvor war der Leichenwagen mit donnerndem Applaus und «Serbien-Serbien»-Rufen begrüßt worden. Viele Dutzend Blumensträuße wurden auf das Fahrzeug geworfen.

Der über 13 Jahre diktatorisch regierende Milosevic sei «einer der größten Söhne Serbiens», sagte der Philosoph Mihajlo Markovic auf der Belgrader Trauerfeier. Er «hat sich den Großmächten entgegen gestellt, die den Balkan kolonisieren wollten», sagte er. «Selten wird so jemand geboren», der «ein wahrer Internationalist und großer Serbe ist». «Er ist nicht für einen einzigen Krieg verantwortlich», behauptete er. «Und weil sie ihn nicht brechen konnten, haben sie ihn ermordet», sagte er unter Applaus und «Slobo, Slobo»-Rufen der Menge.

Der Vorsitzende der extrem nationalistischen Radikalen, der ebenfalls vom UN-Tribunal wegen Kriegsverbrechen angeklagte Vojislav Seselj, schickte eine Grußbotschaft. Der Westen, der die Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien angezettelt habe, «fürchtet unser serbisches Volk und den Geist von Milosevic», ließ Seselj vor den begeisterten Zuhörern verlesen. Trotz aller «Satanisierung unseres Serbien sind wir bereit, noch fürchterlicher zu kämpfen als bisher». «Serbien wird sich wie der Phönix aus der Asche erheben», hieß es.

Die im Moskauer Asyl lebende Milosevic-Witwe war nicht nach Belgrad gekommen, weil sie die Justiz im Zusammenhang mit einem Prozess um Amtsmissbrauch fürchtet. Auch der nach Russland geflüchtete Sohn Marko, der zur Regierungszeit seines Vaters einer der Mafiaköpfe gewesen sein soll, kam nicht. Der ebenfalls in Moskau beheimatete Milosevic-Bruder Borislav entschuldigte sein Fehlen mit Krankheit, ebenso wie seine Tochter Marija in Montenegro.

Demgegenüber verurteilte der langjährige Milosevic-Gegner und heutige serbisch-montenegrinische Außenminister Vuk Draskovic die Trauerfeiern. «Heute wurde ein Mörder und Verbrecher gefeiert», sagte er am Samstag in Belgrad. «Das waren Versammlungen zur Beerdigung des Volkes». Schätzungsweise 3000 Anhänger der demokratischen Opposition und Kritiker von Milosevic versammelten sich ebenfalls im Zentrum, um gegen die Verehrung des früheren starken Mannes zu protestieren. (tso/dpa)

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