Politik : Milzbrand: US-Regierung nennt die Fälle Werk von Terroristen

Nach US-Vizepräsident Cheney hat auch US-Justizminister Ashcroft eine Verbindung zwischen den Milzbrandfällen in den USA und dem Moslemextremisten Osama bin Laden nicht ausgeschlossen. "Wir können das sicher nicht ausschließen", sagte Ashcroft dem TV-Sender CBS. Am Wochenende waren in Florida fünf und in New York drei neue Infektionen aufgetreten.

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Umfrage: Bodentruppen nach Afghanistan? Nach Angaben Ashcrofts suchen die US-Behörden rund 200 Menschen, die direkt oder indirekt im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September stehen. Seit Beginn der Ermittlungen seien bereits 700 Menschen festgenommen worden. Auch US-Gesundheitsministers Tommy Thompson schloss einen terroristischen Hintergrund nicht aus; eine Verbindung zu bin Laden sei jedoch nicht zwingend.

Nach Angaben des New Yorker Bürgermeisters Rudolph Giuliani waren zwei verdächtige Briefe in der NBC-Sendezentrale im Rockefeller Center in New York eingegangen, von denen einer Spuren des Erregers enthielt. Eine Mitarbeiterin habe sich beim Öffnen mit dem Erreger infiziert. NBC hatte ferner gemeldet, dass ein weiterer Mitarbeiter Symptome der Infektion aufweise. Auch eine Filiale des Sofwarekonzerns Microsoft in Nevada erhielt einen Brief, in dem Milzbrandspuren waren.

In den Apotheken stieg die Nachfrage nach Antibiotika so stark, dass Wartezeiten von bis zu zehn Tagen entstanden sind. US-Präsident George W. Bush war den Sorgen in der Bevölkerung auch in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache begegnet: "Wir versichern allen Amerikanern: Wir treffen strenge Vorkehrungen, sind wachsam und entschlossen. Das Land ist alarmiert, und die Macht Amerikas wird für alle spürbar sein."

Makabre Scherze

Dagegen warnte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die Deutschen wegen der Milzbrandfälle in den USA vor einer Panik. "Zu Zeit liegen keine Erkenntnisse über Gefahren terroristischer Angriffe mit chemischen oder biologischen Kampfstoffen in Deutschland vor", sagte er der "Welt am Sonntag". Alle Verantwortlichen sollten deshalb sehr vorsichtig mit der Darstellung einer möglichen Gefahr umgehen, um keine Panik zu entfachen. In den vergangenen Tagen hatten mehrere verdächtige Briefe im ganzen Bundesgebiet für Unruhe gesorgt. Sie erwiesen sich nach Untersuchungen aber bislang immer als ungefährlich. Schily sagte dazu, Trittbrettfahrer, die mit Fehlmeldungen die Bevölkerung verunsicherten, müssten mit "härtesten Strafen" rechnen. Das Verbraucherschutzministerium veranlasste derweil, Informationen über gefährliche Chemikalien und Pestizide aus dem Internet zu löschen.

Die brasilianische Polizei untersuchte am Sonntag ein Lufthansa-Flugzeug, in dem verdächtiges Pulver entdeckt wurde. Das weiße Pulver sei bei der Reinigung der Maschine gefunden worden. Das Flugzeug war von Frankfurt am Main nach Rio de Janeiro geflogen. Ein Sprecher der Lufthansa betonte, dass es bislang "keinen Anlass zur Beunruhigung" gebe. Der am Samstag bei der "Mainzer Rheinzeitung" aufgetauchte verdächtige Brief enthielt laut Polizei nach bisherigen Untersuchungen keine gefährlichen Spuren.

80 Passagiere einer United-Airlines-Maschine mussten am Samstag drei Stunden lang auf dem kalifornischen Flughafen San Jose ausharren, nachdem ein Fluggast berichtet hatte, ein Mann habe eine pudrige Substanz in das Lüftungssystem eingebracht. Eine Untersuchung des FBI ergab, dass es sich bei der pudrigen Substanz um Konfetti handelte, dass aus einer Grußkarte gefallen war.

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