Politik : Ministerium legte drei Produktionsanlagen still - Gesundheitsgefahr wird ausgeschlossen

Thorsten Metzner

Grünfutter aus Brandenburg, das bundesweit von Schweine- und Rindermastbetrieben und Legehennenbatterien verwendet wurde, ist mit Dioxin verseucht worden. Das märkische Agrar- und Umweltministerium hat deshalb drei der landesweit acht Anlagen zur Herstellung von Trockenfutter stillgelegt. Gegen die drei miteinander nicht verwobenen Unternehmen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf illegale Müllentsorgung.

Entgegen den Vorschriften haben die Werke laut Ministerium Plastikabfälle und kontamiertes Holz verbrannt, wodurch Dioxingase freigesetzt wurden. Agrarstaatssekretär Hans-Hermann Bentrup betont, dass trotz des damit kontaminierten Tierfutters "keinerlei Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung" bestehe, da die Lebensmittel-Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO für Dioxin mit Sicherheit nicht überschritten würden. Der Fall sei jedoch bundesweit bislang ohne Vorbild. Eier aus einem Brandenburger Betrieb werden vorsorglich auf erhöhten Dioxingehalt geprüft.

Die drei betreffenden Grünmehl-Werke in Demerthin (Prignitz), Poßmarke (Elbe Elster) und Golzow (Oderbruch) dienten offenbar nebenbei als lukrative Stätten zur illegalen Abfallentsorgung. In den Unternehmen in Demerthin und Poßmarke konnten sich die Prüfer erst mit Polizeischutz Zugang verschaffen, um Proben zu nehmen. Nach Worten Bentrups stehen auch Holzzulieferbetriebe im Verdacht, am illegalen Treiben mitgewirkt zu haben.

Bei Proben in den drei Werken hatte sich im September herausgestellt, dass der Dioxinanteil im Grünmehl um "das fünf- bis dreißigfache" über dem üblichen Wert lag. Eine gesundheitsgefährdende Dioxinverseuchung von Eiern, Milch, Schweine-, Rind- und Hühnerfleisch aus Brandenburg schließt das Ministerium trotzdem aus, weil die Grünmehl-Bestandteile nur einen minimalen Anteil am Tierfutter ausmachen würden. Dass für die Trocknung des Grünfutters anstatt der vorgeschriebenen reinen Hölzer kontaminiertes Holz und Plastik verbrannt wurde, wurde durch ein neuartiges Untersuchungsverfahren festgestellt. Es war nach dem belgischen Tierfutterskandal eingeführt worden. Zuvor wurde Grünfutter nicht auf Dioxin getestet. Dennoch geht das Ministerium nicht davon aus, dass die illegale Praxis gang und gäbe gewesen ist. Bei den jährlichen Emissionskontrollen seien keine verdächtigen Stoffe festgestellt worden, sagt Bentrup. Das Ministerium betont, dass nach Bekanntwerden der Dioxinbefunde unverzüglich Maßnahmen eingeleitet worden waren: 1780 Tonnen Grünfutter wurden sichergestellt, die nach Abschluss der Untersuchungen vernichtet werden sollen. Wie viele Schweine- und Rindermast-Unternehmen oder Legehennenbetriebe dioxinverseuchtes märkisches Grünfutter verfüttert haben, ist nach Angaben des Ministeriums offen.

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