Politik : Missbrauch: Opfer fordern Solidarität

Berlin - Das Programm für den Deutschland-Besuch von Benedikt XVI. im September ist seit Monaten minutiös durchgeplant. Der Papst spricht im Bundestag, trifft sich mit dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin, den Bundesverfassungsrichtern, er spricht mit Protestanten, Juden und Muslimen. Nur: Ob er auch Zeit für ein Treffen mit Missbrauchsopfern haben wird, ist nach wie vor offen.

Die Betroffenen-Initiative „Eckiger Tisch“ hat jetzt einen Brief an alle Bundestagsabgeordneten geschrieben und sie aufgefordert, sich aus Anlass der Rede des Papstes im Bundestag solidarisch mit den Missbrauchsopfern zu erklären. Der Eckige Tisch vertritt Menschen, die an Jesuitenschulen missbraucht wurden.

„Bei Missbrauch und Gewalt in Institutionen gibt es ein natürliches Gefälle zwischen dem einzelnen Betroffenen und der im Vergleich mächtigen Institution“, heißt es in dem Brief. „Sie als Parlamentarier können dieses Gefälle ausgleichen, als Vertreter der wichtigsten Institution in unserem Land. Indem Sie sich auf die Seite der Betroffenen stellen, sorgen Sie für ein Gleichgewicht.“

Die Abgeordneten mögen dem „hohen Gast“ signalisieren, dass sie die Forderungen von Betroffenen nach Aufklärung, Hilfe, Genugtuung und Zugang zu den im Vatikan gelagerten Akten über Kindesmissbrauch unterstützen. Die Betroffenen-Initiative bittet die Abgeordneten außerdem, sich für eine gesetzliche Regelung einzusetzen, die Institutionen im Falle von sexuellem Missbrauch zu Schadenersatz verpflichtet und die Höhe der Leistung systematisch regelt. „Wir wollen keine Gesamtkommission, die nach unklaren Kriterien Schicksale sortiert und Zahlungen zuerkennt“, heißt es in dem Brief. Die Geschädigten wünschen sich auch, dass der Papst im Bundestag das Thema Missbrauch anspricht und die Taten nicht nur bedauert, sondern Verantwortung dafür übernimmt.clk

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