Misshandlungsvorwürfe : FDP und Grüne glauben Mixa nicht mehr

Der Augsburger Erzbischof Walter Mixa gerät immer stärker unter Druck. Inzwischen haben acht ehemalige Heimkinder Vorwürfe gegen ihn erhoben.

Stephan Haselberger
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Der Augsburger Erzbischof Walter Mixa. -Foto: ddp

Berlin - Die Vorwürfe wiegen schwer, und sie häufen sich. Der Augsburger Bischof Walter Mixa soll Kinder und Jugendliche geschlagen oder in anderer Weise körperlich gezüchtigt haben. Inzwischen versichern bereits acht ehemalige Heimkinder, der konservative Geistliche habe sie in seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen in den 70er und 80er Jahren misshandelt. Obwohl der Großteil der Betroffenen eidesstattliche Erklärungen abgegeben hat, bestreitet Mixa weiterhin vehement, jemals gewalttätig geworden zu sein.

In der „Bild am Sonntag“ bot der Bischof den früheren Heimkindern erneut ein Treffen an. „Ich möchte mich gerne mit den Betroffenen zu persönlichen Gesprächen treffen, um zu erfahren, was ihnen widerfahren ist“, sagte Mixa. „Ich werde für sie beten, denn für mich als Seelsorger sind sie Opfer, denen offenbar Unrecht geschehen ist.“ Ein erstes Gesprächsangebot des Bischofs war von den ehemaligen Heimbewohnern abgelehnt worden, nachdem Mixa alle Vorwürfe als falsch zurückgewiesen hatte.

Der Bischof bedauerte die Absage. Er hoffe, dass „die Personen, die nach den Zeitungsberichten Vorwürfe gegen mich richten, diese Antwort über die Ostertage nochmals überdenken“. Als Erzieher und Lehrer der Kirche habe er mit tausenden junger Schüler, Messdiener und Chorsänger Kontakt gehabt, sagte Mixa. Sein „Credo“ sei bis heute: „Ich bin gut zu euch, seid bitte auch gut zu mir.“ In der „Welt am Sonntag“ zog Mixa die Glaubwürdigkeit der Betroffenen in Zweifel. „Diese Leute können sich doch gar nicht mehr an mich erinnern.“

FDP und Grüne reagierten mit großer Skepsis auf Mixas Äußerungen. Die Augsburger FDP-Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß warnte das Bistum Augsburg davor, die Vorwürfe beiseitezuschieben. „Wenn eidesstattliche Versicherungen vorliegen, stellt man sich die Frage, ob Bischof Mixa seine Vergangenheit womöglich verdrängt hat“, sagte Gruß dem Tagesspiegel. Der Kirchenexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Stefan Ruppert, legte dem Bischof den Rücktritt nahe: „Herr Mixa muss sich fragen lassen, ob er sich wirklich richtig erinnert, und ob das Vertrauen in seine Person noch gegeben ist“.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz, erklärte, es seien „große Zweifel an Mixas Darstellung angebracht“. Hinz appellierte an die katholische Kirche, eine unabhängige Untersuchung im Bistum Augsburg einzuleiten. Dies sei „dringend geboten“. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müsse Mixa „sein Amt ruhen lassen“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Wegen der zahlreichen Fälle körperlicher Misshandlung und sexuellen Missbrauchs sieht der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode die katholische Kirche in ihren Fundamenten erschüttert: „Wir werden grundsätzlich infrage gestellt.“ Nun müsse sich die Kirche darum bemühen, das verlorene Vertrauen so gut wie möglich wieder aufzubauen.

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, erwartet das Bekanntwerden weiterer Missbrauchsfälle auch in protestantischen Einrichtungen. „Immer mehr Opfer trauen sich, ihre Geschichte zu erzählen, ihr Leid zu offenbaren. Wir machen den Menschen Mut dazu“, sagte Schneider am Wochenende. Dabei gehe es „um schwarze Pädagogik, Gewalt, aber auch um sexuellen Missbrauch“.

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