Politik : Mit Bill Gates gegen den Hunger

Der US-Multimilliardär und Entwicklungsminister Dirk Niebel planen gemeinsame Projekte – auch die Wirtschaft soll helfen.

Hans Monath (mit AFP)
Gute Tat. Bill Gates hat große Teile seines Vermögens in eine Stiftung gesteckt.Foto: AFP
Gute Tat. Bill Gates hat große Teile seines Vermögens in eine Stiftung gesteckt.Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Die deutsche Entwicklungspolitik beschreitet neue Wege und will beim Kampf gegen Hunger und Krankheiten in der Welt künftig eng mit einem der reichsten Männer der Erde sowie mit Privatunternehmen kooperieren. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) und Microsoft- Gründer und Multimilliardär Bill Gates kündigten nach einem Treffen mit Vertretern der deutschen Wirtschaft am Dienstag in Berlin an, sie würden jeweils 20 Millionen Euro in die Förderung von Kleinbauern investieren. Weitere 40 Millionen Euro haben internationale und deutsche Unternehmen in Aussicht gestellt, so dass insgesamt 80 Millionen Euro zur Verfügung stehen sollen.

Gates hat große Teile seines Vermögens in die Mitte der 90er Jahre gegründete „Bill & Melinda Gates Foundation“ eingebracht. Sie ist mit einem Kapital von mehr als 36 Milliarden Dollar (27,7 Milliarden Euro) die größte Privatstiftung der Welt und mit ihren Fördermitteln, die den Entwicklungsetat vieler Staaten übertreffen, ein wichtiger Akteur in der globalen Entwicklungspolitik.

Es sei ein Skandal, dass weltweit zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung litten, sagte Niebel. Vor allem Kinder würden durch einen Mangel an Nährstoffen dauerhaft geschädigt. „Deshalb bündeln wir gemeinsam mit Bill Gates und der Wirtschaft die Kräfte gegen den Hunger in der Welt“, meinte der Minister. Die enge Kooperation mit der Privatwirtschaft ist ein wichtiger Baustein in der entwicklungspolitischen Strategie des FDP-Politikers. Das neue Bündnis will in Schwellen- und Entwicklungsländern den Aufbau und die Produktivität der Landwirtschaft und der Ernährungswirtschaft fördern sowie das Bewusstsein für gesunde Ernährung erhöhen.

Wie der Minister beschrieb auch Gates die lebenslangen Folgen früher Mangelernährung mit drastischen Worten. „Wenn ein Kind erst einmal im Schulalter ist, hat es durch schlechte Ernährung so viel Schaden genommen, dass es die Möglichkeiten seines Gehirns nicht mehr voll einsetzen kann“, warnte er. Der Mäzen würdigte die Bedeutung Deutschlands in der Entwicklungspolitik: Es nehme eine „Führungsrolle“ ein, sagte er. Zugleich begrüßte er, dass Deutschland dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria in den Jahren 2012 bis 2016 eine Milliarde Euro geben will. Diese Zusage hatte Niebel vergangene Woche in Davos bekräftigt.

Für die in der sogenannten German Food Partnership zusammengeschlossenen Unternehmen erklärte der Chef von Bayer Crop Science, Liam Condon, es gehe auch darum, den Nährwert von Feldfrüchten zu steigern. Auf entsprechende Fragen versicherten Gates und Niebel, es sei nicht vorgesehen, in den gemeinsam vereinbarten Projekten gentechnisch veränderte Pflanzen einzusetzen. Die 35 Partnership-Firmen wollen die Produktion wichtiger Nahrungsmittel wie Reis und Kartoffeln fördern.

Vor dem Entwicklungsausschuss des Bundestages forderte Gates die europäischen Staaten auf, trotz Sparzwängen und Euro-Krise weiter ausreichende Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen. Am Montag hatte Gates gemeinsam mit der SPD dafür geworben, Mittel aus der geplanten Finanzmarkttransaktionssteuer dafür zu verwenden, um das Millenniumsziel von Entwicklungsausgaben in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts noch zu erreichen. Niebel hatte nach der Kürzung seines Etats durch den Haushaltsausschuss des Bundestages im Herbst erklärt, Deutschland könne das international vereinbarte Ziel bis zum Jahr 2015 nun nicht mehr erfüllen. Hans Monath (mit AFP)

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