• „Mit billigen Kräften einen unerträglichen Zustand erhalten“ Ärtzevertreter gegen Einsatz von Medizinern aus Osteuropa

Politik : „Mit billigen Kräften einen unerträglichen Zustand erhalten“ Ärtzevertreter gegen Einsatz von Medizinern aus Osteuropa

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Berlin/Dresden (cir/rah). Wegen Ärztemangel Mediziner aus Osteuropa in die neuen Bundesländer holen – davon hält Frank Ulrich Montgomery „gar nichts“. „Durch den Einsatz von billigen Arbeitskräften“, sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes dem Tagesspiegel, „wird nur ein unerträglicher Zustand aufrecht erhalten“. Das Problem seien nicht die fehlenden Ärzte, sondern die Arbeitsbedingungen. Montgomery reagiert damit auf die Forderung der sächsischen Sozialministerin Christine Weber (CDU), osteuropäischen Ärzten die Niederlassung in Ostdeutschland zu ermöglichen.

Etwa 12 000 junge Menschen beginnen jedes Jahr ein Medizinstudium, sagte Montgomery. Seit 1995 habe sich die Zahl derjenigen, die anschließend als Ärzte in Krankenhäusern oder als Niedergelassene arbeiten um 40 Prozent verringert, die Hälfte von ihnen entscheide sich nach der ersten praktischen Erfahrung im Krankenhaus gegen den Arztberuf. Statt qualitativ weniger gut ausgebildete Ärzte ins Land zu holen, müssten die Rahmenbedingungen geändert werden, fordert der Vorsitzende des Marburger Bundes.

Ähnlich argumentiert Martin Link, Sprecher der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in den neuen Bundesländern und Berlin: „Das Hereinholen von Ärzten aus Osteuropa löst das Problem nicht.“ Vielmehr sei die ambulante Medizin im Osten unterfinanziert, nur 77 Prozent der Ausgaben West stünden hier für ambulante Medizin zur Verfügung. Das mache es schwierig, eine Niederlassung wirtschaftlich zu betreiben – auch für Ärzte, die Osteuropa kommen. Knut Köhler, Sprecher der Landesärztekammer in Sachsen sagte, Ärzte aus Osteuropa seien „die letzte Möglichkeit, den Medizinermangel zu beheben.“ Auf Landesebene sollten Ärzte beispielsweise zinsgünstige Kredite bekommen, da vor allem junge Ärzte nur schwer von Banken Kredite für die Einrichtung ihrer Praxen bekämen.

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