Politik : Mit dem Mut der Mönche

Trotz einer Warnung der Junta demonstrieren 100 000 Menschen weiter für Demokratie

M. Kleine-Brockhoff[Bangkok]

Nach tagelangen Protestdemonstrationen von Mönchen hat die Militärregierung in Birma ein Versammlungsverbot erlassen. Außerdem wurde am Dienstagabend in der Hauptstadt Rangun und der zweitgrößten Stadt Mandalay eine Ausgangssperre von 21.00 Uhr bis 05.00 Uhr morgens verhängt, berichteten Bewohner. Das Versammlungsverbot gilt den Angaben zufolge für Gruppen von mehr als fünf Personen. Die Ausgangssperre soll 60 Tage in Kraft bleiben. Augenzeugen berichteten, dass mindestens zwölf Busse mit Soldaten in die Innenstadt gefahren seien. Zudem seien die Krankenhäuser in Bereitschaft versetzt worden. „Wir haben den Eindruck, dass die Sicherheitskräfte am Mittwoch vorrücken“, hieß es in Oppositionskreisen. Gerüchte, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sei aus dem Hausarrest ins Gefängnis überführt worden, dementierte die Polizei am Abend.

In Birmas alter Hauptstadt Rangun war die Bevölkerung schon am Dienstagmorgen mit Lautsprecherwagen gewarnt worden: Protest könne durch das Militär aufgelöst werden. Trotzdem gingen erneut 100 000 Menschen auf die Straße. Nach Presseberichten führten 30 000 Mönche 70 000 Mitläufer an. „Die Mönche agieren für das Volk“, sagte der Dichter Aung Way in einer kurzen Rede vor der goldenen Sule-Pagode. „Nahrung, Freiheit für alle politischen Gefangenen“, steht auf Postern. „Demokratie! Demokratie“, riefen Demonstranten. „Wir haben keine Angst“, sagte einer von ihnen.

In der zweiten Woche ist der Protest offen politisch geworden. Zu Beginn der Märsche vor zehn Tagen waren die Mönche nur betend durch die Straßen gezogen, junge Menschen hatten sie schweigend begleitet. Nun stellen alle Teilnehmer laut Forderungen. „Wir tolerieren die Militärregierung nicht mehr“, rief ein Mönch. Die Junta veröffentlichte in ihrer Gazette „New Light of Myanmar“ vier Anweisungen des staatlichen Sangha-Maha- Nayaka-Komitees, das aus regierungstreuen Mönchen besteht. „Alle Mönche müssen sich von Parteipolitik fernhalten, um Unheil zu vermeiden“, heißt es. Birmas Religionsminister, General Thura Myint Maung, sagte, das Nichteinhalten der Anweisungen werde „mit Taten entsprechend der Gesetze und Regeln“ begegnet. Die juntatypische Sprachregelung beschreibt normalerweise das Einschreiten von Sicherheitskräften und die Verhaftung wegen „Untergrabens von Stabilität und Sicherheit“, was mit 20 Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Mit Festnahmen war das Regime gegen 150 Dissidenten vorgegangen, die im August vergeblich versucht hatten, Massenproteste gegen die Verdopplung der Benzinpreise anzuschieben. Bürger trauten sich erst auf die Straße, als Mönche die Führung übernahmen. „Alle Klosterleiter müssen ihren Mönchen Anweisung geben, keine illegalen Organisationen zu unterstützen“, lautet eine Anweisung. Dieser Aufruf bezieht sich wohl auf die neue „Allianz aller Mönche Birmas“, die den Protest seit Anfang des Monats vorbereitet hatte. „Wir werden demonstrieren bis die Junta abgetreten ist“, sagte ein Sprecher der Gruppe.

„Im Moment stacheln externe und interne Elemente, die neidisch auf nationale Entwicklung und Stabilität sind, politisch an“, sagte Religionsminister Thura Myint Maung. Mitglieder der von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geführten Oppositionspartei Nationale Liga für Demokratie hätten junge Mönche angestachelt. Der Plan sei im Ausland geschmiedet und von Teilen der internationalen Presse unterstützt worden. „Die Menschen haben Angst, dass sie wieder Anarchie und Chaos erfahren wie 1988“, sagte der Religionsminister. Damals hatte die Junta eine studentische Demokratiebewegung durch ein Blutbad gebremst. Durch Schüsse auf Demonstranten starben bis zu 3000 Menschen.

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