Politik : Mit den heimlich mitgeschnittenen Telefonaten fing es an

7.Januar: Monica Lewinsky, frühere Praktikantin im Weißen Haus, sagt im Paula-Jones-Verfahren um eine angebliche sexuelle Belästigung durch Clinton aus.In einer eidlichen Erklärung sagt sie, daß sie keine sexuelle Beziehung mit dem Präsidenten hatte.

12.Januar: Linda Tripp, eine Freundin von Lewinsky und frühere Mitarbeiterin im Weißen Haus, unterrichtet Sonderermittler Kenneth Starr über heimlich gemachte Tonbandaufzeichnungen von Gesprächen mit Lewinsky.Darin schildert die Ex-Praktikantin detailliert, daß sie eine Affäre mit Clinton gehabt habe.Außerdem soll sie von Clintons Freund Vernon Jordan aufgefordert worden sei, die Affäre zu leugnen.

16.Januar: Ein Gericht ermächtigt Starr offiziell zur Untersuchung, ob Clinton und Jordan Lewinsky zum Lügen unter Eid animiert haben.

17.Januar: Clinton wird von den Jones-Anwälten sechs Stunden lang über sein Sexualleben vernommen.Dabei verneint er unter Eid, eine Beziehung zu Lewinsky gehabt zu haben.

21.Januar: Nach Veröffentlichung der ersten großen Presseberichte über die angebliche Affäre mit Lewinsky und die Ermittlungen Starrs weist Clinton alle Vorwürfe zurück.

27.Januar: First Lady Hillary Clinton greift Starr scharf an und sieht eine "riesige rechtsgerichtete Verschwörung" als Hintergrund der Affäre.

30.Januar: Clinton verbucht einen juristischen Teilerfolg.Die Richterin in dem Zivilprozeß um die Sex-Klage der Paula Jones gegen ihn schließt alles Beweismaterial zu Monica Lewinsky aus.

3.Februar: Nach Presseberichten war Monica Lewinsky im Anschluß an ihre Praktikantenzeit im April 1996 noch etwa über 30mal im Weißen Haus.Dies wird offiziell bestätigt.

20.März: Clinton nimmt für sich das sogenannte "Exekutive Privileg" in Anspruch, das ihm unter bestimmten Bedingungen die Geheimhaltung von Gesprächen mit engen Beratern erlaubt.Der Präsident will damit die Vernehmung von zwei Mitarbeitern vor der Grand Jury vermeiden.

1.April: Das Paula-Jones-Verfahren wird eingestellt.Die Begründung: Die Klägerin habe nicht genügend Beweise dafür vorgelegt, daß ihr durch Clintons Verhalten Schaden entstanden sei - wenn der Vorfall denn wirklich stattgefunden habe.

30.April: Ein Richter entscheidet, daß Lewinsky auch ohne Zusicherung von Straffreiheit vor der Grand Jury aussagen müsse.Hinter den Kulissen laufen aber weiter Verhandlungen, um eine Immunitätsregelung zu erreichen.

22.Mai: Ein Gericht entscheidet, daß Clintons Leibwächter im Weißen Haus vernommen werden dürfen.

7.Juli: Gegen Linda Tripp werden Ermittlungen wegen illegaler Tonband-Mitschnitte eingeleitet.

17.Juli: Vor dem Obersten Gericht scheitert der letzte Versuch, eine Aussage der Leibwächter zu verhindern.

24.Juli: Es wird bekannt, daß Clintons Anwalt mit Starr über eine Zeugenaussage des Präsidenten verhandelt.Clinton will aber nicht vor der Grand Jury vernommen werden.Wenige Tage zuvor hat Starr Clinton eine Vorladung zur Aussage vor der Untersuchungskammer geschickt - ein bisher einmaliger Vorgang in der US-Geschichte.

28.Juli: Linda Tripp sagt zum siebten Mal vor der Grand Jury aus.Lewinsky und Starr einigen sich über Straffreiheit im Gegenzug zu ihrer Aussage vor der Untersuchungskammer.

29.Juli: Clinton erklärt sich zur Aussage bereit - aber nicht direkt vor der Grand Jury, sondern in Anwesenheit seiner Anwälte im Weißen Haus.

31.Juli: Es wird bekannt, daß FBI-Experten ein Kleid von Lewinsky auf Spuren sexueller Kontakte mit Clinton untersuchen.

6.August: Lewinsky wird vor der Grand Jury vernommen.Sie sagt aus, daß sie mit Clinton eine 18monatige Affäre hatte, von ihm aber nicht direkt zum Meineid im Paula-Jones-Verfahren aufgefordert wurde.

17.August: Clinton sagt im Weißen Haus aus.Er gibt sexuelle Kontakte mit Lewinsky zu, bleibt aber dabei, daß diese keine "sexuelle Beziehung" im Sinne einer ihm bei der ersten Vernehmung im Jones-Fall vorgelegten Definition waren.Am Abend äußert er in einer kurzen Fernsehansprache sein Bedauern, daß er seine Familie, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit irregeführt habe.Er entschuldigt sich aber nicht ausdrücklich und richtet scharfe Angriffe gegen Starr.

3.September: Der angesehene demokratische Senator Joseph Liebermann verurteilt Clintons Verhalten in einer Rede im Senat als unmoralisch.

4.September: Auf drängende Fragen von Reportern nach seiner Reaktion auf die Liebermann-Rede sagt Clinton, auf Staatsbesuch in Irland, erstmals: "I am sorry." In den folgenden Tagen entschuldigt er sich bei verschiedenen Anlässen in immer deutlicheren Worten.

9.September: Starr leitet seinen 445 Seiten starken Bericht und Anlagen in 18 Kartons dem Kongreß zu.

11.September: Das Repräsentantenhaus beschließt die Veröffentlichung des Reports, der daraufhin im Internet umgehend jedermann zugänglich gemacht wird.

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