Politik : Mit, im und ohne Takt

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es gibt Politiker, die sich aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet haben. Uwe Barschel, der es zum CDU-Ministerpräsidenten in Kiel brachte. Oder noch höher hinaus: Gerhard Schröder, Kanzler. Noch besser: Bill Clinton, Ex-US-Präsident. Solchen Extremaufsteigern wird von ihren Gegnern oft vorgeworfen, sie hätten vor lauter Biegbarkeit, Umfragehörigkeit und Hyper-Pragmatismus vergessen, dass Politik eine Werte-Grundlage brauche. Gerade haben wir irgendwo in Berlin gehört, diesem Typus des von ganz unten Kommenden fehle die richtige „Eintaktung“. Was für ein Wort! Das hört sich nach einer Mischung aus Dirigentenstab und Motoren-Mechanik an. Da muss man sich doch überlegen, wie eine Eintaktung im Polit-Alltag aussehen könnte. Begeben wir uns also auf die Suche. Und schon werden wir fündig! Roland Koch gilt ja als einer, der mittels seiner Familie eine sehr solide Politik-Eintaktung mitgebracht hat. Von ganz unten kommt der Hesse nicht. Nur: Wie hoch hinauf es noch geht, darüber rätselt die Republik. Also findet Olaf Scholz, der Generalsekretär der SPD, bei Koch sei trotz der guten Kinderstube eine nachträgliche Eintaktung bitter nötig. Und so spricht Scholz über den Wiesbadener Wahlsieger: „Koch will einen Bundesminister entlassen. Koch will Frau Merkel beistehen, wenn sie Deutschland im Ausland schlecht redet. Koch will Angst vor Pocken schüren. Koch will viel – an einem Tag. Vor allem will Roland Koch aber eins: sich wichtig machen.“ So muss sich eine Eintaktung anhören. Hat Eintaktung etwas mit Taktlosigkeit zu tun? Takt: Ist es das, was häufig fehlt? In diesen aufgeregten Zeiten? Die Stetigkeit, die Musik und Motoren meist haben?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben