Politik : Mit ruhiger Hand

Finnlands Ex-Premier Holkeri wird UN-Verwalter im Kosovo

Gemma Pörzgen,Claudia von Salzen

Von Gemma Pörzgen

und Claudia von Salzen

Einen beliebten Job hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan nicht zu vergeben. Entsprechend schwer war die Suche nach einem neuen Chef der UN-Zivilverwaltung im Kosovo. Ein Kandidat fiel als zu US-kritisch durch. Ein anderer erschien Kofi Annan im persönlichen Gespräch als „zu wenig kompetent“. Schließlich telefonierte der UN-Generalsekretär eine lange Liste möglicher Kandidaten ab. Nun soll der frühere finnische Premier Harri Holkeri Nachfolger von Michael Steiner im Kosovo werden. Seine Ernennung rief in Pristina überwiegend positive Reaktionen hervor.

Als Premier in Helsinki hatte der Konservative geradezu verinnerlicht, was die finnische Politik seit Jahrzehnten prägt: die Suche nach einem möglichst breiten Konsens. Nach 21 Jahren in der Opposition führte Holkeri seine Konservativen 1987 in eine Koalition mit den Sozialdemokraten. In den folgenden Jahren zwangen der Kollaps der Sowjetunion und die schwere Wirtschaftskrise das Land zu erheblichen Kurskorrekturen.

Auch auf internationalem Parkett hat sich Holkeri einen Namen gemacht, als Präsident der Millenniums-Versammlung der UN ebenso wie im internationalen Krisenmanagement. Zwischen 1995 und 1998 vermittelte er in Nordirland und gehörte einer Dreier-Kommssion an, die die Friedensverhandlungen leitete. Der 66-jährige Finne, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, gilt seitdem als besonnener Vermittler. In Pristina wird eine solche „Politik der ruhigen Hand“ nach dem hektischen Aktionismus seines Vorgängers Steiner eher begrüßt.

In Kosovo sind die Erwartungen groß: Holkeri wird eine entscheidende Phase begleiten. Der künftige Status der serbischen Provinz ist noch ungewiss. Die überwiegend albanische Bevölkerung will die Unabhängigkeit. Belgrad aber beharrt auf der Zugehörigkeit der Provinz zum eigenen Staatsgebiet. Die Suche nach einer Lösung für die Zukunft lässt sich nicht mehr lange vertagen. So könnte der zukünftige Status des Kosovo im kommenden Jahr auf die internationale Tagesordnung kommen. Schon im September sollen erste direkte Gespräche zwischen Belgrad und Pristina beginnen. Mit dem Weggang von Steiner galt das Verhältnis zu den einheimischen Politikern in Pristina und Belgrad als zerrüttet. Hier um neues Vertrauen für die Rolle des UN-Verwalters zu werben, dürfte zur ersten Bewährungsprobe für Holkeri werden.

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