Politik : Mitarbeiter der Nato Spion des Iran? Klage gegen Dolmetscher von Kabuler Kommandeur

Matthias Thibaut

London - Ein enger Mitarbeiter des Nato-Oberkommandeurs in Kabul ist in London wegen Geheimnisverrats angeklagt worden. Es handelt sich um den 44-jährigen Dolmetscher des britischen Generals David Richards, der den Oberbefehl über rund 31 000 Nato-Soldaten hat, die in Afghanistan in einen zunehmend bitteren Krieg gegen die Taliban verwickelt sind. Richards hat durch seine Amtsaufgabe engen Kontakt mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und ist auch über Operationen verdeckt operierender Eliteeinheiten in Afghanistan informiert.

Konkrete Einzelheiten sind kaum bekannt geworden. Der Fall ist so heikel, dass die Anklage gegen den 44-jährigen Corporal Daniel James am Mittwoch vor einem Londoner Magistratsgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen wurde. Nur für die ersten paar Minuten der zweistündigen Verhandlung war die Presse zugelassen. Die Gerichtspressestelle bestätigte lediglich, dass James wegen Verstößen gegen das Geheimnisgesetz von 1911 angeklagt werde und am 2. November durch Kommunikation mit einer „ausländischen Macht“ die Staatssicherheit gefährdet habe. Laut Zeitungsberichten handelt es sich dabei um den Iran. Nach Angaben des „Daily Telegraph“ ist James iranischer Abstammung, wohnt in Brighton in Südengland und spricht fließend Paschtu, die Hauptsprache Afghanistans. Das Gericht ordnete Untersuchungshaft zunächst bis zum 27. Dezember an.

Seit 1984 wurde kein Brite mehr wegen Spionage vor Gericht gestellt. Damals wurde Michael Bettany, ein Angestellter des Inlandsgeheimdienstes, zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte Informationen an die Sowjetunion weitergegeben.

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