Mögliche Griechenland-Pleite : Rösler verärgert die CDU

FDP-Parteichef Philipp Rösler redet über eine "geordnete Insolvenz" Griechenlands und setzt sich damit von der Regierungslinie ab – zum Entsetzen des Koalitionspartners CDU.

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Darf man Hellas jetzt schon verloren geben? Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Philipp Rösler haben Timing-Probleme.
Darf man Hellas jetzt schon verloren geben? Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Philipp Rösler haben Timing-Probleme.Foto: dapd

Berlin - Wenn Hermann Gröhe den Generalsekretärston ablegt und auf Klartext schaltet, dann ist die Lage ernst. Am Montag redet Angela Merkels General Klartext. „Wir müssen die Griechen fordern, dürfen sie aber nicht pleite reden“, sagt Gröhe. Wem das gilt, ist klar. Philipp Rösler hat in einem Gastbeitrag in der Zeitung „Die Welt“ mal eben den Euro-Rettungskurs der Regierung infrage gestellt. „Um den Euro zu stabilisieren, darf es auch kurzfristig keine Denkverbote mehr geben“, heißt es in dem kurzen Aufsatz des FDP-Vorsitzenden und Wirtschaftsministers. „Dazu zählt notfalls auch eine geordnete Insolvenz Griechenlands, wenn die dafür notwendigen Instrumente zur Verfügung stehen.“

Die knappen Sätze ließen bei der CDU alle Alarmglocken schrillen. Dass Griechenland in ernsten Schwierigkeiten steckt, dass unsicher ist, ob die Griechen die Auflagen für Kreditbürgschaften erfüllen – all das schafft schon eine höchst fragile Lage. Seit Tagen drängen Kanzlerin und Finanzminister die Regierung in Athen, ihre Zusagen zu erfüllen, verbinden das aber stets mit der Zusicherung, dass dann Hilfen weiter fließen.

Rösler Beitrag erweckt einen anderen Eindruck: Den nämlich, dass in Berlin mit der Pleite Griechenlands gerechnet werde. „Wenn das die Griechen lesen“, schimpft ein CDU-Politiker, „dann hören sie doch sofort auf mit Sparen und Reformieren“.

Am Montag versuchen Merkels Vertraute, die Büchse der Pandora wieder zuzustopfen. „Kontraproduktiv und gefährlich“ nennt der Fraktionsgeschäftsführer der Union, Peter Altmaier, im „Morgenmagazin“ die „Spekulationen“ des Koalitionspartners. Gröhe lässt seinen Kommentar von der Agentur Reuters verbreiten - das stellt sicher, dass er auch an den Börsen gehört wird. Der Regierungssprecher nimmt Röslers Insolvenzgedanken sozusagen amtlich nicht zur Kenntnis: Die Bundesregierung sei „zuversichtlich“, dass Griechenland sich an das vereinbarte Verfahren halten und alles daran setzen werde, seine Zusagen zu erfüllen, sagt Steffen Seibert. Wenn allerdings die Griechen nicht lieferten, könne die nächste Tranche nicht gezahlt werden: „Das ist ein gewisser Automatismus.“

Lesen Sie auf Seite 2, was die CDU als besonders problematisch ansieht und von wem Rösler Zustimmung erhält.

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