Mord an Freiburger Medizinstudentin : Hussein K. gibt Lügen zu

Auftakt im Freiburger Dreisam-Mordprozess: Erstmals spricht der mutmaßliche Mörder, ein afghanischer Flüchtling.

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Schlangen vor dem Landgericht: Der Freiburger Prozess gegen Hussein K. zog am Dienstag viel Interesse auf sich. Foto: Patrick Seeger/dpa
Schlangen vor dem Landgericht: Der Freiburger Prozess gegen Hussein K. zog am Dienstag viel Interesse auf sich.Foto: Patrick Seeger/dpa

Zum Auftakt des Prozesses um die Vergewaltigung und den Mord an einer 19-jährigen Medizinstudentin in Freiburg hat der Angeklagte zugegeben, dass er sein Alter falsch angegeben hat. Hussein K., der aus Afghanistan stammt, lebte zunächst in einer Aufnahmeeinrichtung für minderjährige Flüchtlinge in Münstertal bei Freiburg, später in einer Pflegefamilie. Er hatte sich, als er im November 2015 ankam, als 16-Jährigen ausgegeben, „um eine bessere Unterbringung zu bekommen und in die Schule gehen zu können“. Die Staatsanwaltschaft will im Laufe des Prozesses zwei Gutachten vorlegen, nach denen Hussein K. mindestens 22 Jahre alt ist.

Keine Daten, Asylantrag blieb liegen

Der Mord an Maria L. am 16. Oktober 2016 hatte im In- und Ausland ein enormes öffentliches Echo, weil es sich beim mutmaßlichen Täter, der über ein am Tatort gefundenes Haar identifiziert wurde, um einen Flüchtling handelte. Außerdem hatte Hussein K. drei Jahre zuvor in Griechenland bereits eine Studentin überfallen und schwer verletzt, als er sie über eine Klippe warf. Mit einer Amnestie der Regierung Tsipras war er aber freigekommen. Der innereuropäischen Datenaustausch funktionierte im Fall K. offensichtlich nicht, auch Hussein K.s Asylantrag vom November 2015 wurde im überlasteten „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ (Bamf) monatelang nicht bearbeitet.

Scharfe Angriffe zog auch die Tagessschau-Redaktion der ARD auf sich, weil sie über den Mord an Maria L. zunächst nicht berichtete und dies damit begründete, dass der Fall lediglich regionale Bedeutung habe. Auch andere Medien kritisierten, das Schweigen über einen Gewaltverbrecher, der Flüchtling sei, nähre den Verdacht, die Berichterstattung folge dem Grundsatz „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ – knapp ein Jahr nach den Taten der Silvesternacht von Köln.

Haschisch, Wodka, Heroin - und ein Sexualmord

Vor dem Landgericht Freiburg sagte Hussein K., der seit seiner Festnahme geschwiegen hatte, jetzt überraschend zu seiner Person aus. Wie die „Badische Zeitung“ aus dem Gerichtssaal berichtet, stammt er aus einer Bauernfamilie. Der Vater kam als Soldat ums Leben, er selbst folgte mit 12 Jahren seinem älteren Bruder in den Iran, floh dann, unterstützt vom Geld seiner Familie, weiter in die Türkei und schließlich nach Deutschland. Als sein Geld in Griechenland zu Ende ging, habe er gestohlen. Früher habe er bereits seine Eltern beklaut, weil er „auch die schönen Dinge haben (wollte), die andere haben.“

In Freiburg sei es ihm bei seinen Pflegeeltern, einem aus Afghanistan stammenden Kinderarzt und einer Übersetzerin, gut gegangen, sagte Hussein K. Wegen psychischer Probleme – über die er nicht reden wollte - habe er aber verstärkt Drogen konsumiert: Pro Tag etwa ein Gramm Haschisch, eine halbe Flasche Wodka, Wein und Bier, zweimal die Woche Heroin.

Den Tatverlauf hat die Freiburger Staatsanwaltschaft aus Überwachungskameras und Zeugenaussagen weitgehend konstruieren können; er war sehr brutal: Der Täter griff demnach in den Fahrradlenker von Maria L., die gegen drei Uhr morgens am Flüsschen Dreisam auf dem Heimweg von einer Party war. Er würgte sie und hielt ihr den Mund zu. Von da an muss die junge Frau bewusstlos gewesen sein. Sie wurde, wohl mehrmals, vergewaltigt und ins Gesicht, die Brust und den Unterbauch gebissen. Ihr Vergewaltiger legte Maria L. danach so in der Dreisam ab, dass ihr Mund und ihre Nase im Wasser lagen.

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