Politik : Mord an Mosambikaner in Dessau: Die alltägliche Gewalt (Kommentar)

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Früher schien vieles einfacher. Für den Rechtsradikalismus, der sich im Osten nach der Wende vor allem bei Jugendlichen zeigte, fand man rasch Gründe: die autoritäre Erziehung etwa, das neue politische und gesellschaftliche System, das viele überforderte, die mehr schlecht als recht aufgearbeitete Vergangenheit und anderes mehr. Alles traf zu. Zehn Jahre sind seither vergangen. Und noch immer morden, schlagen und prügeln Ausländerfeinde im Osten. Freimütig bekennen die Täter von Dessau, den 39-jährigen Mosambikaner aus Fremdenhass getötet zu haben, als wäre Fremdenhass salonfähig. Natürlich ist er das nicht. Aber es sind nur noch solch brutale Taten, die das Thema wieder in die Schlagzeilen bringt. Die meisten rechten Delikte finden noch nicht einmal mehr Eingang in die örtlichen Medien. Zu alltäglich sind sie geworden. Im Osten hat sich ein rechtes Weltbild verfestigt. Um so wichtiger ist es, die Bündnisse gegen Fremdenhass mit aller Macht zu unterstützen. Um so wichtiger ist es, immer wieder gegen Gewalt von rechts anzukämpfen - mit Reden, aber auch mit Taten. Am Freitag gedachten die Einwohner Dessaus des ermordeten Mosambikaners. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Höppner nahm teil. Einer fehlte: Bundesinnenminister Schily. Dabei hätte gerade er ein Zeichen setzen müssen - gegen Ausländerfeindlichkeit und für die große Mehrheit in den neuen Ländern. Die nämlich ist keineswegs fremdenfeindlich.

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