Politik : Moslems drohen Christen auf den Molukken

Zehntausende indonesische Moslems haben am Freitag bei Massenprotesten in der Hauptstadt Jakarta mit einem Heiligen Krieg gegen die Christen auf den Molukken-Inseln gedroht. Gleichzeitig setzten sie die Zentralregierung unter Druck, die blutigen Zusammenstöße auf dem Archipel zu unterbinden. "Wir geben Präsident Abdurrahman Wahid einen Monat Zeit, das Morden an Moslems zu beenden", erklärte unter lautem Beifall einer der Redner. Die indonesische Marine hat inzwischen neun Kriegsschiffe in die Molukken-Region entsandt und mit einer Seeblockade begonnen, um eine Ausweitung des Konflikts innerhalb der Inselgruppe zu verhindern, berichtete die Tageszeitung "Jakarta Post" am Freitag. Dafür werden nach Angaben der Göttinger "Gesellschaft für bedrohte Völker" auch ehemalige DDR-Kriegsschiffe eingesetzt, die die Bundesregierung 1992 an Indonesien verkauft hatte. Die indonesische Marine hat nach eigenen Angaben seit 1. Januar rund 17 500 Flüchtlinge von der Molukken-Insel Halmahera in andere Landesteile gebracht.

Während der Protestveranstaltung waren immer wieder Rufe wie "Dschihad, Dschihad" (Heiliger Krieg) und "Allahu Akbar" (Gott ist groß) zu hören. Die Demonstranten drohten, in den Konflikt auf den als Gewürzinseln bekannten Molukken einzugreifen, sollte die Regierung dazu nicht in der Lage sein. "Andernfalls sind wir bereit, Tausende Leute auf die Molukken zu schicken, um die Moslems zu verteidigen", sagte ein Redner. Die Kundgebung auf einem zentralen Platz Jakartas fiel auf den letzten Tag des islamischen Fastenmonats Ramadan. Die Demonstranten forderten erneut den Rücktritt von Vizepräsidentin Megawati Sukarnoputri, weil sie sich nicht entschlossen genug für die Interessen des Moslems einsetze. "Mega, Dein Schweigen ist Gift für Ambon", stand auf einem Plakat. Die Politikerin war mit der Beilegung des Konflikts beauftragt worden. Seit dem erneuten Ausbruch der Unruhen vor fast zwei Wochen sind mehr als 700 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.

Indonesiens Armee hat mittlerweile weit über 9 000 Mann auf den Inseln stationiert; am Donnerstag hatte sie die Lage auf den Molukken als "einigermaßen stabil" bezeichnet. Zuvor waren bei Razzien tausende Feuerwaffen, Äxte und Messer beschlagnahmt worden. Die Ausschreitungen waren erstmals im Januar 1999 nach einem belanglosen Streit zwischen einem Taxifahrer und einem Betrunkenen ausgebrochen. Seither hat es auf der Hauptinsel Ambon und den anderen Inseln nach Medienberichten mehr als 1300 Tote und weit über 2300 Verletzte gegeben. Mehrere Zehntausend Bewohner flüchteten in sichere Provinzen des größten moslemischen Landes der Erde.

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