Mutmaßliche Boston-Bomber : Zwei Brüder schockieren Amerika

Einer wurde auf der Flucht getötet, der andere schwer verletzt festgenommen: Die beiden Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew sollen für die tödlichen Anschläge in Boston verantwortlich sein. Einer von ihnen war schon 2011 im Visier des FBI. Was ist über die mutmaßlichen Bombenleger bekannt?

Die mutmaßlichen Bombenleger von Boston, Tamerlan und Dschochar Zarnajew. Foto: rtr
Die mutmaßlichen Bombenleger von Boston, Tamerlan und Dschochar Zarnajew.Foto: rtr

Fünf Tage nach den Anschlägen auf den Marathon von Boston haben die US-Fahnder die beiden mutmaßlichen Attentäter Tamerlan und Dschochar Zarnajew gestellt - zwei Brüder aus Tschetschenien. Der 26-jährige Tamerlan wurde in der Nacht zum Freitag auf der Flucht bei einem Feuergefecht in Watertown bei Boston getötet, der 19-jährige Dschochar am späten Freitagabend schwer verletzt festgenommen. Von ihren Lebensläufen lässt sich bisher nur ein ungefähres Bild zeichnen.

Tamerlan Zarnajew (26): Bei der Fahndung lief der ältere Bruder unter der Kennung „Nummer 1“. Über Tamerlan Zarnajew, der sein Studium unterbrach, um für den Boxwettbewerb National Golden Gloves zu trainieren, gibt es ein Fotoessay des Bostoner Studenten Johannes Hirn, in dem er sich mit dem Ingenieurstudenten vom Bunker Hill College bei Boston intensiv befasste.

Demnach flüchtete die Familie Zarnajew in den 1990er Jahren aus Tschetschenien. Anschließend hielt sich die Familie Berichten zufolge in Kasachstan oder Kirgisistan auf, bevor die Brüder im Jahr 2003 in die USA kamen. „Ich habe keinen einzigen amerikanischen Freund“, sagte Tamerlan Zarnajew jedoch dem Fotografen Hirn.

Großeinsatz in Boston
Jubel in den USA: Der mutmaßliche zweite Bombenleger von Boston wurde gefasst. Foto: afpWeitere Bilder anzeigen
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20.04.2013 08:00Jubel in den USA: Der mutmaßliche zweite Bombenleger von Boston wurde gefasst.

Tamerlan habe ihm gesagt, dass er „nicht mehr raucht und trinkt“, berichtet Hirn. In der Gesellschaft gebe es „keine Werte“, die Menschen seien „unkontrolliert“. Laut dem Vater der Brüder, Ansor Zarnajew, der in der Hauptstadt der südrussischen Teilrepublik Dagestan, Machatschkala, befragt wurde, waren seine Söhne „strenggläubige Muslime“.

Ein Onkel der Brüder, Ruslan Zarni, nannte die beiden jungen Männer „Verlierer“. Er gab an, sie seien im Jahr 2003 aus Kirgisistan in die USA gereist. Nach Angaben der US-Bundespolizei FBI wurde Tamerlan im Jahr 2011 auf Bitten eines nicht genannten Staats verhört, was jedoch „keine nachteiligen Erkenntnisse“ erbracht habe.

Auf einem von Hirns Fotos ist Tamerlan mit seiner Freundin zu sehen. Er beschreibt die blonde junge Frau als eine Halbitalienerin und Halbportugiesin, die zum Islam konvertiert sei. Auf der Videoplattform Youtube markierte Tamerlan mehrere Lieblingsvideos in den Rubriken „Islam“ und „Terrorismus“.


Dschohar Zarnajew (19): Der 19-jährige Verdächtige „Nummer 2“, Dschochar Zarnajew, ist rund sieben Jahre jünger als Tamerlan. Dschochar Zarnajew ist nach Auskunft seines Vaters Medizinstudent. Demnach ist er an der Universität Massachusetts eingeschrieben und errang im Jahr 2011 einen mit 2500 Dollar dotierten Preis im Ringen.

Ein Schulfreund Dschochars, Eric Mecado, sagte dem Fernsehsender CNN, Dschochar habe „nie etwas Bösartiges“ gezeigt, „nichts, woraus man schließen könnte, dass er zu so etwas in der Lage wäre“. Ihre frühere gemeinsame Schule, die Cambridge Rindge and Latin School, ist für ihre Weltoffenheit bekannt.

Laut seinem Konto im russischen sozialen Onlinenetzwerk VKontakte ging Dschochar in den Jahren 1999 bis 2001 in Machatschkala zur Grundschule und spricht Tschetschenisch. In dem Profil ist zudem ein Witz zu lesen: „Drei Männer aus Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien sitzen in einem Wagen. Wer sitzt am Steuer? Die Polizei.“ Im Kurznachrichtendienst Twitter, auf dem er hunderte unauffällige Nachrichten absetzte, wirkt Dschochar wie ein gewöhnlicher Jugendlicher aus den USA. Ein Nachbar, Larry Aaronson, nannte Dschochar bei CNN einen „liebenswerten Jungen“. Dass er mit Tamerlan drei Menschen getötet und 180 weitere verletzt haben soll, könne er nicht glauben. (afp)

Die Bilder zu den Bombenanschlägen in Boston
Der weltbekannte Boston-Marathon wurde am Montag von einem Bombenanschlag erschüttert. Am gestrigen Abend sprach die Polizei noch von zwei Sprengsätzen. Medien berichteten über weitere, die aber nicht funktioniert hätten. Die Bostoner Polizei konnte diese Vermutung am Nachmittag zurückweisen. Bei den aufgefundenen Gegenständen habe es sich nicht um weitere Sprengkörper gehandelt. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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16.04.2013 16:04Der weltbekannte Boston-Marathon wurde am Montag von einem Bombenanschlag erschüttert. Am gestrigen Abend sprach die Polizei noch...

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