Politik : Mutmaßlicher Entführer in Algier verurteilt

Ralph Schulze

Algier/Madrid - Der mutmaßliche Chef der Sahara-Entführer, die vor zwei Jahren 32 Europäer verschleppt hatten, ist in Algerien in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Amari Saifi, genannt „Al Para“, wurde der „Gründung einer terroristischen Vereinigung“ schuldig gesprochen. Saifi soll 2003 zehn Österreicher, 16 Deutsche, vier Schweizer, einen Schweden und einen Holländer entführt haben. Er gilt als zweiter Mann der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC), die gegen das westlich orientierte algerische Regime kämpft. Die USA halten sie für die gefährlichste Terrorgruppe in Nordafrika.

Obwohl sich Saifi seit Oktober 2004 in der Gewalt algerischer Sicherheitsbehörden befinden soll, wurde der Prozess ohne ihn geführt. Der Richter sagte, die Justiz habe keine Hinweise auf Saifis Verhaftung. Die Regierung dagegen hatte im Oktober 2004 erklärt, Libyen habe den Mann ausgeliefert. Nachdem Saifi im August 2003, angeblich gegen ein Millionenlösegeld, die letzten Geiseln freigelassen hatte, begann die Verfolgung durch nordafrikanische Soldaten und westliche Antiterrorexperten. Saifi fiel 2004 Rebellen im Tschad in die Hände, die ihn an Libyen übergeben haben sollen. Die Sahara gilt als neues Trainingsgebiet für islamistische Terroristen. Die Stärke der GSPC in Nordafrika wird auf tausende von Kämpfern geschätzt. Anfang Juni erst überfielen etwa 150 Terroristen einen mauretanischen Militärposten und töteten mindestens 15 Soldaten.

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