Politik : Mutmaßungen über Seehofers Zukunft Der CSU-Chef ist Gast bei der Jungen Union

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Horst Seehofer
Horst SeehoferFoto: REUTERS

Berlin - Wer sich abends einen Gast einlädt, sollte vielleicht doch nicht kurz vorher dessen ärgsten Konkurrenten loben. Philipp Mißfelder hat genau das getan. „Viele in der Jungen Union konzentrieren ihre Hoffnung auf zu Guttenberg“, hat der JU-Chef Mitte der Woche verlauten lassen. In der Sache stimmt das – die CDU-Jugend hat dem CSU-Jungstar Karl-Theodor zu Guttenberg schließlich erst vor kurzem die Gelegenheit zu einem triumphalen Auftritt ausgerechnet in der CDU-Zentrale geboten. Aber Mißfelders Bemerkung fiel zu einem Zeitpunkt, als gerade viel über die mutmaßliche Zukunft des Verteidigungsministers zu lesen war – verbunden mit Mutmaßungen über die Nicht-Zukunft des Horst Seehofer. Doch Seehofer ist am Freitagabend als Gastredner beim Deutschlandtag der Jungen Union in Potsdam.

Insofern ist es als kleiner Akt der Wiedergutmachung zu verstehen, dass Mißfelder am Morgen vor dem Auftritt die heftig umstrittenen Äußerungen des CSU-Chefs zur Zuwanderung verständnisvoll kommentiert. Seehofer habe vielen aus dem Herzen gesprochen, bescheinigte der JU-Chef im Bayerischen Rundfunk seinem Gastredner: „Wir können es uns nicht mehr leisten, weiter Zuwanderung in unsere sozialen Sicherungssysteme zu bekommen.“

Seehofers Sprüche über Menschen aus „anderen Kulturkreisen“ macht sich Mißfelder nicht zu eigen – so weit geht die Gastfreundschaft nicht. Dafür schimpfte der Jungfunktionär sehr auf die Grünen und über alle, die eventuell im Umkreis von Angela Merkel von Schwarz-Grün träumen sollten: „Dies kann schnell zu einem Albtraum werden!“ Mißfelder will sich am Wochenende noch einmal als JU-Chef bestätigen lassen. Da machen sich kämpferische Töne wider den derzeit unangenehmsten politischen Gegner gut, zumal bei der aktuellen Generation der CDU-Jugend Konservativismus ziemlich angesagt ist.

Was übrigens Seehofers Zukunft angeht, hat der CSU-Chef inzwischen öffentlich erklärt, er werde „natürlich“ 2011 zur Wiederwahl als Parteivorsitzender antreten. Dass er Guttenberg signalisiert haben solle, er werde bei weiter sinkenden Umfragewerten für die CSU dem Jungen den Vorsitz antragen, das sei „Quatsch“. Guttenberg lässt auch ausrichten, davon wisse er nichts. Da die Politikreporter der „Bild“-Zeitung indessen nicht im Ruf stehen, Dinge zu erfinden, wird ihnen schon jemand das Gerücht gesteckt haben. Man kann lange darüber spekulieren, wer das gewesen sein könnte und mit welchen Motiven, ohne zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Klar ist nur, dass nach dieser letzten Überdrehung auch Guttenberg sich genötigt sah, sich zu äußern. Er sei gerade eineinhalb Jahre in der ersten oder zweiten oder eher sogar in der dritten Reihe – da wäre es doch „völlig anmaßend, über Dinge nachzudenken, über die manche in bizarren Gedankenwelten gerade nachdenken“. Das wäre es. Ein Dementi eigener Ambitionen ist es trotzdem nicht.

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