Politik : Nach den Landtagswahlen: Wahlanalysen

Albert Funk

Eindeutige Entscheidungen, eindeutige Trends: Den Wahlforschern haben die Wähler im Südwesten am Sonntag wenig Kopfzerbrechen bereitet. Den Kopf zerbrechen, ja sogar Sorgen machen müssen sich nach den Ergebnissen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz dagegen die Grünen, wenn sie auf die Bundestagswahlen im kommenden Jahr blicken. Denn: "the trend is not their friend" - die Verlusttendenz des Regierungspartners von Gerhard Schröder hält an. Infratest dimap kommt zu dem Schluss, dass die Grünen seit der Diskussion um die 5 Mark für den Liter Benzin Wähler an die SPD verlieren - massenhaft dieses Mal in Baden-Württemberg, wo zusätzlich Ute Vogt dafür gesorgt hat, dass Frauen aus der Grünen-Klientel abgewandert sind.

Seit der Regierungsbeteiligung im Bund bleiben zudem immer mehr Grünen-Anhänger aus dem links-ökologischen Milieu zu Hause. Dagegen gelingt es den Grünen nicht, andere Wählergruppen in nennenswertem Umfang anzusprechen. Zudem, hat die Forschungsgruppe Wahlen (FGW) herausgefunden, spielen die grünen Ur-Themen eine immer geringere Rolle, selbst in Zeiten von BSE und MKS: Der Umweltschutz, noch vor einigen Jahren das zweitwichtigste Thema, liegt nun weit hinten auf Platz sieben. Der Trend, dass die Grünen unter Jungwählern immer weniger Zuspruch finden, hat sich fortgesetzt. Bei den Wählern unter 30 Jahren, so die Forscher, erreichten sie nur noch einen Anteil von acht bis zehn Prozent - halb so viel wie noch bei den letzten Wahlen im Südwesten. Da Rot-Grün in beiden Ländern nicht angesagt war, gaben Wechselwähler im linken Spektrum ihre Stimme eher direkt der SPD. Fazit der FGW: Die Grünen stecken in einer Strukturkrise. Laut Infrastest spielte die Debatte um Jürgen Trittin für die Grünen-Verluste "nicht die entscheidende Rolle".

Grafik:
Wählerwanderungen

Bedenklich müssen die Ergebnisse auch die FDP stimmen, die wie die Grünen unter der Polarisierung zwischen CDU und SPD litt. Für die Politikforscher sind die Liberalen "wieder auf ihre Position als Funktionspartei zurückgeworfen" (Infratest). Sie hätten sich trotz der Regierungsbeteiligung in beiden Ländern nicht genügend profilieren können. Und während der FDP wegen der Koalition mit der SPD in Rheinland-Pfalz Stimmen von rechts der Mitte fehlten, verlor sie in Baden-Württemberg offenbar wegen der Debatte um eine mögliche Ampelkoalition mit SPD und Grünen.

Bestätigt hat sich laut FGW der auch bundespolitisch bedeutsame Trend zu Gunsten der Volksparteien, vor allem in Baden-Württemberg, wo CDU und SPD zulegten, die Christdemokraten ihre Position als "Partei des kleinen Mannes" (Infratest) noch ausbauten. Hier hat sie auch in der Facharbeiterschaft einen deutlichen Vorsprung, während die SPD mittlerweile in der Beamtenschaft und bei Frauen mit Hochschulstudium deutlich vor der CDU liegt. In Rheinland-Pfalz spielt die SPD unter Ministerpräsident Kurt Beck die Rolle der "Landespartei" für alle Schichten; noch stärker als in Baden-Württemberg hängt das zwischen Pfalz, Eifel und Rhein mit der Person des "Landesvaters" zusammen. Für Baden-Württemberg kommt die FGW zu dem Urteil, dass der deutliche Sieg der CDU "verschleiert, wie schwer es einem Teil der Wähler gefallen ist, das Mandat für Erwin Teufel ein weiteres Mal zu verlängern". Letztlich obsiegte hier die Kompetenz, die man eher Teufel und der CDU zubilligte, über die Sympathie, die viele Wähler Ute Vogt entgegenbrachten.

Das Ausscheiden der Republikaner aus dem Stuttgarter Landtag erklären die Wahlforscher damit, dass Anlässe für das "Protestwählen" fehlten. Zufriedenheit mit Landes- wie Bundesregierung herrschte vor - davon profitierte vor allem die CDU, aber auch die SPD (siehe Grafik).

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