Nach den Vorwahlen : Rätselraten um Hillary

Obamas Team spricht von einem "Meilenstein". Der Sieg in Oregon bringt dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber die Mehrheit der gewählten Delegiertenstimmen. Seine Rivalin Hillary Clinton lässt das kalt - und die USA werden aus der ehemaligen First Lady nicht mehr schlau.

Hillary Clinton
Hillary Clinton gibt nicht auf. -Foto: AFP

Barack Obama hatte den Ort seiner Siegesrede mit Bedacht gewählt. Im ländlichen Bundesstaat Iowa verkündet er, dass die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten nun zum Greifen nahe ist. Dort, wo im Januar sein damals kaum für möglich gehaltener Aufstieg zum Favoriten begann. Es sei "eine ausgezeichnete Art und Weise, den Kreis zu schließen", sagt der 46-Jährige. Durch die Vorwahlen in Kentucky und Oregon hat er nun eine uneinholbare Mehrheit bei den Delegiertenstimmen sicher.

Zwar kann Obamas Rivalin Hillary Clinton den Sieg in Kentucky für sich verbuchen. Sie holt 65 Prozent der Stimmen und schlägt Obama mit mehr als 30 Prozentpunkten Vorsprung. Doch in Oregon gewinnt der Senator aus Illinois mit knapp 60 Prozent seinerseits deutlich. Nach Berechnungen des US-Senders CNN hat er damit 1627 von 3253 durch Vorwahlen gebundenen Delegiertenstimmen sicher - das ist die Mehrheit.

Auf dem Nominierungsparteitag im August braucht er allerdings 2026 Stimmen, um zum Kandidaten der US-Demokraten zu werden. Diese kann er durch die drei ausstehenden Vorwahlen nicht erreichen. Also wird es auf die Stimmen der Superdelegierten ankommen. Das sind Parteifunktionäre und Mandatsträger, die in ihrer Entscheidung frei sind. Doch auch bei ihnen hat Obama in den vergangenen Wochen mehr Anhänger gefunden.

Was bezweckt Hillary Clinton?

Der Sieg im liberalen Oregon ist deshalb für viele in Obamas Wahlkampflager ein "Meilenstein". Hillary Clinton lässt das öffentlich kalt. Abermals macht die frühere First Lady deutlich, dass sie im Rennen bleiben will, "bis die letzte Stimme gezählt ist". In US-Medien wird sie mit dem spitzen Ausspruch zitiert, sie werde kämpfen, bis der Kandidat gewählt sei - "wer auch immer sie sein mag".

Unter US-Kommentatoren wird derweil immer lauter die Frage gestellt, was die frühere First Lady eigentlich bezweckt. Gerade jetzt, wo die Nominierung rein mathematisch nur noch eine ferne Idee ist. Und die Meinungen sind durchaus geteilt, ob die "Frau aus Stahl", wie Ex-Rivale John Edwards sie unlängst nannte, es tatsächlich auf die Vizepräsidentschaft an der Seite Obamas abgesehen hat.

Vor Obama liegt noch viel Arbeit

Nicht wenige halten es stattdessen für möglich, dass sie während der letzten Vorwahlen ihr Profil als Kämpferin für die vorwiegend weiße Arbeiterschaft schärfen will - für eine Präsidentschaftbewerbung im Jahr 2012. Immerhin gewann Clinton mit dieser Strategie die Abstimmungen in West Virginia und zuletzt in Kentucky deutlich. Oder vielleicht, meint der prominente Kommentator des US-Fernsehsenders MSNBC Tim Russert, will sie sich auch für den Posten der demokratischen Mehrheitsführerin im Senat empfehlen. "Wir wissen es einfach nicht", gibt der Journalisten-Veteran offen zu.

Kaum jemand glaubt derweil, dass Clinton das Dauer-Duell mit Obama bis zum Nominierungsparteitag im Spätsommer in Denver in die Länge zieht. Ihr Wahlkampf-Chef Howard Wolfson drückt sich am Wahltag um die Frage herum, ob sie es wirklich soweit kommen lassen würde. "Es geht nun vor allem darum, ihr einen würdevollen Abgang zu verschaffen", meint eine Kommentatorin des Fernsehsenders CNN.

Doch hat Obamas Niederlage in Kentucky auch deutlich gemacht, dass er sich nach wie vor schwertut mit der Wählerschaft auf dem platten Land und der Arbeiterschaft, die ihn vielerorts noch als elitär sieht. Schon in West Virginia, dem Staat der Kohlebergwerke, musste der schwarze Senator eine schwere Schlappe gegen Clinton einstecken. "Da liegt noch einiges an Arbeit vor ihm", meinte ein Kommentator. Umso mehr, als Umfragen darauf hindeuten, dass diese Klientel den republikanischen Kandidaten John McCain bevorzugt. Auch deshalb, wird berichtet, suchte sich Obama am Dienstag das ländliche Iowa aus. (sf/dpa)

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