Nach der Entführung : Osthoff klagt über "Hetzkampagne"

Die im Irak entführte Archäologin Susanne Osthoff hat rund zwei Wochen nach ihrer Freilassung Kritik an der deutschen Botschaft in Bagdad geübt. "Ich glaube, die Deutschen hassen mich", sagte Osthoff dem Hamburger Magazin "Stern".

Berlin - Sie sei nach ihrer Freilassung schlecht beraten worden und erlebe in Deutschland nun «eine Hetzkampagne». Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Bagdad hätten sie «doch auch mal in Schutz nehmen können, sagen, ich sei erschöpft und krank».

Das Auswärtige Amt (AA) wies die Vorwürfe zurück. Das Ministerium habe Osthoff in den Tagen nach der Entführung professionelle Hilfe zur Seite gestellt, sagte AA-Sprecher Martin Jäger am Mittwoch in Berlin. Zugleich zeigte Jäger Verständnis für «die angespannte Situation» Osthoffs: «Es ist jetzt vor allem wichtig, dass man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt.» Vorwürfe Osthoffs, das Auswärtige Amt habe behauptet, sie wolle in den Irak zurückkehren, wies Jäger zurück. Er betonte zugleich: «Es liegt uns am Herzen, dass Frau Osthoff nicht in den Irak zurückkehrt.» Die Archäologin sagte dem «Stern»: «Ich weiß nicht, wohin ich gehen kann.» Sie habe nie erklärt, dass sie in den Irak zurück wolle.

Osthoff war am 25. November zusammen mit ihrem Fahrer als erste Deutsche seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein entführt und am 18. Dezember wieder freigelassen worden. Die Umstände ihrer Freilassung und ob Lösegeld gezahlt wurde, sind unklar. Die ehemalige Geisel sagte: «Ich bin verraten worden!» So sei ihr bereits bei Antritt ihrer Unglücksfahrt anhand verschiedener Beobachtungen an ihrem Fahrer und dessen Verhalten der Verdacht gekommen, dass etwas nicht stimme.

Über ihr erstes Interview nach der Freilassung - mit dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira - sagte die 43-Jährige, dieses hätten die Geiselnehmer von ihr gefordert. «Die wollten, dass ich als Frau, die so lange in ihrer Gewalt war, öffentlich demonstriere, anständig behandelt worden zu sein.» In Arabien sei das eine Frage der Ehre. Während ihrer Geiselnahme habe sie «die Hölle erlebt».

Sie sei überzeugt, dass die Entführer einer Unterorganisation des Terrornetzwerkes Al Qaida angehörten, unterstrich Osthoff. Die Kidnapper seien auffällig gut organisiert und über verschiedene Regionen, in denen sie gefangen gehalten worden sei, vernetzt gewesen. (tso/dpa)

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