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Nach Überfall in Ost-Ukraine : Innenministerium in Kiew: Anschlag in Slawjansk "gestellt"

Am Sonntagmorgen kam es zu einem tödlichen Schusswechsel in der Ost-Ukraine, die prorussischen Milizen verhängten als Reaktion eine Ausgangssperre. Der selbsternannte Bürgermeister von Slawjansk bat Putin, "Friedenstruppen" zu schicken.

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Ein prorussischer Aktivist geht an den ausgebrannten Autos vorbei, die in den Überfall bei Slawjansk verwickelt gewesen sein sollen.
Ein prorussischer Aktivist geht an den ausgebrannten Autos vorbei, die in den Überfall bei Slawjansk verwickelt gewesen sein...Foto: Reuters

 

Wächst mit dem Überfall auf einen Grenzposten pro-russischer Separatisten in Slawjansk die Kriegsgefahr in der Ukraine? In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag ist es in der seit einer Woche besetzten Stadt in der Region Donezk zu einem Überfall mit Toten auf beiden Seiten gekommen. An einem Kontrollpunkt sollen bei einer Schießerei bis zu fünf Personen getötet worden sein.

Laut Augenzeugenberichten brach die Schießerei gegen 3.00 Uhr am Sonntagmorgen aus, Tatort war Bielbasowka ein Vorort von Slowjansk. Vier Fahrzeuge näherten sich mit eingeschalteten Nebelscheinwerfern einem Kontrollpunkt, den Separatisten vor einigen Tagen eingerichtet hatten, und eröffneten das Feuer. Zwei der Geländewagen brannten vollkommen aus, bei den Autos wurden nagelneue Kennzeichen aus der Region Dnipropetrowsk gefunden.

Bei dem Opfer handelt es sich um den 59-Jährigen Sergej Rudenko, einen Busfahrer aus Slowjansk. Nachbarn erzählten Medien, dass Rudenko sich den pro-russischen Separatisten angeschlossen habe, weil er befürchtete „von Westukrainern erschossen zu werden“. Rudenko hatte die Straßensperre mit aufgebaut und am Kontrollposten Wache geschoben.

Das Innenministerium nennt den Anschlag eine „zynischen Provokation“

Einige der Dorfbewohner wollen beobachtet haben, dass drei Tote geborgen wurden, zudem soll es einen Verletzten gegeben haben. Auch die ukrainischen Behörden sprechen offiziell von drei Toten. Das Innenministerium der Ukraine spricht von einem „gestellten Anschlag“ und einer „zynischen Provokation, die die Ruhe der Osterfeiertage zerstört hat“.

Währenddessen wurde bei Twitter ein Hashtag unter dem Namen „JaroschsVisitenkarte“ (#ВизиткаЯроша) eingerichtet. Dort spotten die User über die von russischen Medien verbreitete Nachricht, am Tatort sei die Visitenkarte von Dmitri Jarosch, Anführer der gewaltbereiten Partei Rechter Sektor gefunden worden. Ein User schreibt: Wie kann in einem ausgebrannten Wrack ausgerechnet 1 Visitenkarte unversehrt bleiben?

Russische Medien hatten früh überraschend detailliert berichtet

 Russische Medien hatten über die Schuldigen und den genauen Tathergang bereits in der Nacht detailliert berichtet. Nach Auskunft des Staatsfernsehens Rossia 24 und der ebenfalls staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, sollen die Täter aus den Reihen des ultrarechten „Rechten Sektors“ kommen. Als Beweise wurden Visitenkarten und Kleidungsstücke mit dem Logo des Rechten Sektors gezeigt, die Sachen und mehrere hundert US Dollar seien am Tatort gefunden worden.

Der selbsternannte Bürgermeister der Stadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarew, spricht mit Journalisten und zeigt gefundene Munition.
Der selbsternannte Bürgermeister der Stadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarew, spricht mit Journalisten und zeigt gefundene...Foto: AFP

Prorussische Kräfte haben als Reaktion auf den Vorfall am Sonntag eine Ausgangssperre über die Stadt Slawjansk verhängt. „Zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh ist es verboten, die Straßen zu nutzen“, sagte der selbsternannte Bürgermeister der Hochburg prorussischer Kräfte, Wjatscheslaw Ponomarew, vor Journalisten. Ponomarew rief außerdem den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, Friedenstruppen in die Ost-Ukraine zu schicken, um die Bevölkerung vor „Faschisten“ zu schützen.„Wenn Sie uns keine Friedenstruppen schicken können, liefern Sie uns Waffen“, appellierte er wenig später an Moskau.

"Russland schürt einen Propagandakrieg"

„Anstatt die Osterfeiertage friedlich zu verleben, schürt Russland einen Propagandakrieg“, schreibt die Stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, Viktoria Syumar auf ihrer Facebook-Seite. Weiter heißt es dort: „Es gibt zu viele Hinweise darauf, die den Vorfall wie eine Propagandakampagne Russlands aussehen lassen“. Sie habe die Befürchtung, der Nachbar wolle mit solchen Nadelstichen eine Invasion der Ukraine vorbereiten.

In der Tat ist auffallend, dass bereits in der Frühsendung von Rossia24, Sonntagmorgen um 7.00 Uhr Moskauer Zeit, der Korrespondent Details und die Täter des Überfalls nannte. Demnach seien vier Wagen an einen Kontrollpunkt pro-russischer Kräfte gefahren und hätten das Feuer auf die Männer eröffnet. Dabei sei es „auf russischer Seite“ zu drei Toten und einem Schwerverletzten gekommen. Auf der Gegenseite habe es zwei Tote gegeben. Der Anschlag gehe eindeutig auf das Konto des Rechten Sektors, einer gewalttätigen Gruppe. Beweise dafür seien am Tatort sichergestellt worden.

Ukrainische Medien berichteten erst wesentlich später

Ukrainische Medien hatten erst am späten Vormittag erste Berichte über den Vorfall in Slawjansk gemeldet, unmittelbar nach der Tat oder am frühen Morgen, waren keine ukrainischen oder westliche Journalisten vor Ort und das, obwohl sich seit Wochen unzählige Medienvertreter in Donezk aufhalten.

 Der von den Separatisten der besetzten Stadt Slawjansk eingesetzte Bürgermeister Wjatscheslaw Ponomarew, erklärte russischen Medien in der Nacht, „die Gefechte sind von Militanten rechter Gruppen aus der Ukraine begonnen worden“.

 Allerdings wichen die Darstellungen russischer Medien am Vormittag von den Schilderungen ukrainischer Behörden ab.

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