Politik : „Nach wie vor große Skepsis“

SPD-Abgeordnete über die Wahl Angela Merkels

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Am kommenden Dienstag wollen SPD und CDU/CSU Angela Merkel zur Bundeskanzlerin wählen. Es wird allerdings damit gerechnet, dass sie nicht alle Stimmen der SPD-Fraktion erhalten wird – auch deshalb, weil Wolfgang Thierse (SPD) bei der Wahl zum Bundestagsvizepräsidenten von vielen Unions-Abgeordneten nicht gewählt worden war. Wir haben SPD-Abgeordnete zu ihren Bedenken vor der Wahl von Angela Merkel befragt.

/ ]„Ich glaube, es gibt in der SPD-Fraktion ein paar Leute, die Merkel nicht wählen werden, weil sie mit der großen Koalition nur schwer leben können. Aber ich finde den Koalitionsvertrag nicht so schlecht. Ich glaube, das kann vier Jahre lang halten.“

Petra Ernstberger, Bayern

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„Mein Unbehagen gegenüber Frau Merkel ist zweifellos noch da. Wenn ich sie wähle, dann auch deshalb, weil sie sich von den Positionen Paul Kirchhofs und Friedrich Merz’ verabschiedet hat. Was mir weiterhin große Sorgen macht, ist die Vorstellung, dass Frau Merkel zu großen Einfluss auf die Außenpolitik nehmen könnte. Es ist daher beruhigend, dass der Sozialdemokrat Frank-Walter Steinmeier Außenminister wird. “ Ortwin Runde, Hamburg

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„Angela Merkel kam neulich auf mich zu und sagte: ,Herr Tauss, Sie sind ja gar nicht so schlimm, wie ich dachte.‘ Da habe ich geantwortet: ,Frau Merkel, ich bin noch viel schlimmer!‘ Im Ernst: Ich werde sie wählen. Es wäre die Reaktion eines trotzigen Kindes, Merkel jetzt die Stimme zu verweigern. Aus der Sicht meines Politikfeldes, der Bildungspolitik, ist der Start aber denkbar schlecht.“ Jörg Tauss, Baden-Württemberg

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„Es gibt für mich nur eine Art mit der Wahl Angela Merkels umzugehen: verdrängen und nach vorne blicken. Die euphorischen Parteikollegen sollen sich nichts vormachen. Jetzt ist Realismus gefragt. Aber die emotionale Barriere, die kurz nach der Bundestagswahl gegen Angela Merkel da war, ist erst mal weg.“ Michael Müller, NRW

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„Ich habe nach wie vor große Skepsis gegenüber der Person Angela Merkel. Sie hat einen marktradikalen Wahlkampf betrieben. Davon ist nun im Koalitionsvertrag glücklicherweise nichts mehr übrig geblieben. Er enthält ein klares Bekenntnis zum starken Staat. Daher hat die große Koalition eine Chance verdient. Welche Gefühle ich bei der Wahl Merkels haben werde, geht Sie nichts an.“ Niels Annen, Hamburg

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„ Sie können nicht Koalitionsvereinbarungen treffen und diese dann gleich bei der ersten Sitzung brechen. Daher stimme ich für Angela Merkel. Das Paket, das die SPD mit der Union vereinbart hat, ist aus Not und Vernunft entstanden. Es ist natürlich nicht das, was ich mir unter der reinen Lehre vorstelle, aber doch sehr sozialdemokratisch. Es geht bei der Wahl nicht um Abrechnung für Vergangenes.“ Lale Akgün, NRW

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„Ich werde Frau Merkel mit Bauchschmerzen wählen und habe nach wie vor Zweifel, ob sie das kann: Bundeskanzlerin. Sie hat in den letzten Wochen nicht geführt und sie hat den Koalitionsvertrag nicht gut verkauft. Außerdem halte ich die Erhöhung der Mehrwertsteuer für einen Fehler. Frau Merkel hat jetzt einen Vertrauensvorschuss. Aber viele in der SPD-Fraktion sind skeptisch.“ Johannes Kahrs, Hamburg

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„Ich sehe keinen Grund, jetzt den Abschluss dieser Koalition zu stören. Der Koalitionsvertrag ist wirklich gut. Es gibt böse Zungen, die behaupten, selbst bei einer absoluten Mehrheit hätte die SPD nicht mehr rausgeholt.“ Renate Schmidt, Bayern

Aufgezeichnet von Philipp Lichterbeck und Baldur Bardischewski.

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