Nachfolgediskussion : Wer beerbt Edmund Stoiber?

Kaum hatte Edmund Stoiber seinen Rücktritt als CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident angekündigt, brachten sich die möglichen Nachfolger für die beiden zu vergebenden Ämter auch schon in Stellung.

München/Berlin - Wenn sich keine weiteren Bewerber mehr melden, kämpfen drei Männer um die Parteispitze und "das schönste Amt der Welt", wie Stoiber den Posten des Ministerpräsidenten oft nannte. Eine Frau ist für den Vorsitz in der Männer-dominierten CSU oder für den Chefsessel in der Münchner Staatskanzlei - wieder einmal - nicht vorgesehen.

Für den CSU-Vorsitz zeichnet sich eine Kampfkandidatur ab, denn sowohl Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer als auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber meldeten ihre Ansprüche auf den Chefsessel in der Landesleitung an. Für das Ministerpräsidentenamt hat sich bisher nur einer gemeldet: Innenminister Günther Beckstein.

Bis zum Parteitag Zeit für einvernehmliche Lösung

Die drei Kandidaten stehen auch für drei bayerische Regionen. Seehofer ist als Ingolstädter wie Stoiber auch ein echter Oberbayer, Huber vertritt als Niederbayer den Regierungsbezirk mit den traditionell treuesten CSU-Wählern. Beckstein ist der Vorzeige-Franke in der Spitzenmannschaft der Christsozialen.

Alle drei verkündeten mehr oder minder deutlich, warum sie sich prädestiniert für die Stoiber-Nachfolge sehen. "Ich glaube, dass ich in Berlin den bundespolitischen Anspruch der CSU verkörpern kann", sagte Seehofer. "Wir betrachten es beide nicht als Beinbruch, wenn es im September zu einer Abstimmung über zwei Kandidaten käme", meinte der Parteivize zu der sich abzeichnenden Kampfkandidatur gegen Huber. Bis zum geplanten Parteitag sei aber auch noch Zeit für eine einvernehmliche Lösung.

Schmutzkampagne gegen Horst Seehofer?

Seehofer bekam Unterstützung von den CSU-Bundestagsabgeordneten in Berlin. Deren Vorsitzender Peter Ramsauer verlangte ein Mitentscheidungsrecht bei der Nachfolge-Regelung. Der CSU-Abgeordnete Josef Göppel ging weiter: Unbedingt müsse ein Bundespolitiker in die neue Führung aufgenommen werden, forderte er. Sonst bestehe die Gefahr, dass "die CSU ihre bundespolitische Bedeutung verliert und zur reinen Bayern-Partei abrutscht".

Seehofer hat freilich ein Problem: Die "Bild"-Zeitung breitete zu Wochenbeginn genüsslich aus, der 57-Jährige habe eine Affäre mit einer 25 Jahre jüngeren Frau. Nicht wenige Polit-Beobachter meinen, die Gerüchte seien ganz bewusst zum jetzigen Zeitpunkt lanciert worden. Ob sie Seehofer bei der Stoiber-Nachfolge schaden oder nützen, muss sich zeigen. Der CSU-Frontmann ist "sturmerprobt": Im Jahr 2004 schmiss er nach einem unionsinternen Streit über die Gesundheitspolitik das Handtuch als CDU/CSU-Fraktionsvize, ein Jahr später war er Agrarminister.

Huber gilt als "Allzweckwaffe" der CSU

Huber, der als einer der engsten politischen Weggefährten Stoibers gilt, bewarb sich mit Verweis auf seine zahlreichen Ämter in Bayern: Als langjähriger Generalsekretär und Staatsminister "habe ich die Erfahrung, um das Profil der CSU als Volkspartei zu erhalten und ihre Gestaltungskraft auf allen Ebenen zu bewahren und in allen Bereichen einzubringen", sagte er dem "Münchner Merkur". Für den 60-Jährigen wäre der CSU-Vorsitz der gerechte Lohn dafür, dass er beinahe schon einmal bayerischer Ministerpräsident war, es aber dann doch nicht wurde: Wäre Stoiber im Herbst 2005 als Minister der großen Koalition nach Berlin gegangen, hätte Huber neben Beckstein die besten Chancen auf den Chefsessel in der Staatskanzlei gehabt. Als "Allzweckwaffe" der CSU machte sich der gelernte Steuerinspektor in Partei und Regierung unverzichtbar.

Vorsichtiger formulierte Beckstein sein "Bewerbungsschreiben". "Ich habe immer erklärt, dass ich gegen Edmund Stoiber nie kandidieren werde. Mit der heutigen Erklärung ist eine andere Situation da." In Bayern zählt der evangelische Franke zu den beliebtesten Politikern. Dabei ist er mit seinem strikten Kurs in der Sicherheits- und Ausländerpolitik ein echter Hardliner. Durch seine Geradlinigkeit hat sich der "schwarze Sheriff" jedoch auch über die Parteigrenzen hinweg persönlichen Respekt verschafft. "Beckstein würde auch Jesus ausweisen", behaupteten die Grünen einmal auf einem Wahlplakat.

Eines wird es voraussichtlich nicht geben: eine fränkische Doppelspitze. Denn der ebenfalls als möglicher neuer Parteichef gehandelte Michael Glos, ein Unterfranke, verwies am Donnerstagabend im ZDF auf sein Amt als Bundeswirtschaftsminister: "Das ist das schönste Amt, dass es in Deutschland gibt. Warum sollte ich mich für zweitschönere Ämter entscheiden?" (tso/dpa)

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