Politik : Nahost-Gipfel: Israel richtet sich auf mehr Gewalt ein

Ungeachtet der Bemühungen um eine Beendigung der Gewalt in den Palästinensergebieten hat sich Israel auf mögliche weitere Konfrontationen bis hin zu Giftgasangriffen vorbereitet: Am Dienstag erklärte der für die Luftverteidigung zuständige General Jair Drori im israelischen Rundfunk, eine erste Batterie des weltweit einzigartigen Raketenabwehrsystems Hetz ("Pfeil") sei einsatzbereit. Die Inbetriebnahme des von Israel selbst entwickelten neuen Waffensystems sei wegen der jüngst von Irak geäußerten Drohungen beschleunigt worden. Ferner kündigte Drori am Dienstag die Öffnung aller verfügbaren Zentren zur Ausgabe von Gasmasken an die Bevölkerung an.

Israel ist den Palästinensern und den arabischen Staaten militärisch überlegen. Mit mehr als 2800 Panzern, 700 Kampfjets und Tausenden Artilleriegeschützen, sowie einer Truppe von fast 600 000 Soldaten ist Israel für eine Konfrontation mit konventionellen Waffen bestens gerüstet. Einzig Raketenangriffe wie im Golfkrieg 1991 beunruhigen die israelische Bevölkerung. Damals hatte Irak mit Scud-Raketen Ziele in Israel beschossen. US-Abwehrraketen vom Typ Patriot konnten die Angriffe nicht verhindern. Entgegen vielfacher Befürchtungen kamen damals jedoch Chemiewaffen gegen Israel zum Einsatz.

Begonnen worden war das Raketenabwehrprojekt Hetz 1988 mit finanzieller Hilfe der USA - im Rahmen des "Krieg der Sterne"-Programms. Erst im September hatte eine Hetz-Rakete bei einem Test über dem Mittelmeer eine anfliegende Rakete abgefangen. Jede Raketenbatterie dieses Typs kostet nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums 170 Millionen US-Dollar (390 Millionen Mark).

Nach Angaben Droris verzeichnete Israel in den vergangenen Tagen eine steigende Nachfrage der Bevölkerung nach Gasmasken. An den Ausgabestellen im ganzen Land bildeten sich zeitweise lange Schlangen - nicht zuletzt, nachdem der irakische Präsident Saddam Hussein Truppenverlegungen nach Jordanien angekündigt hatte. Nach und nach sollen alle 60 verfügbaren Ausgabestellen in den nächsten Tagen wieder eröffnen. Für die dort tätigen Soldaten wurde eine Urlaubssperre verhängt.

Trotz der Einigung auf ein Ende der Gewalt beim Nahost-Gipfel will die Fatah, die größte Gruppe der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), den Aufstand gegen Israel fortsetzen. Das kündigte der Fatah-Chef im Westjordanland, Marwan Bargouthi, am Dienstag an. Er sprach von einem "Scheitern" des Gipfels. Die Ursachen für die palästinensische Revolte würden durch die Beschlüsse des Gipfels nicht beseitigt. "Der Aufstand wird weitergehen, so lange die israelische Besatzung andauert, das ist die Entscheidung des palästinensischen Volkes", sagte Bargouthi bei einer anti-israelischen Kundgebung in Ramallah.

Unterdesssen haben jüdische Siedler bei neuen Unruhen im Westjordanland am Dienstag einen Palästinenser erschossen. Etwa fünf Palästinenser seien bei dem Zwischenfall nahe einer jüdischen Siedlung unweit der Autonomiestadt Nablus verletzt worden, berichtete der israelische Rundfunk. Auch im Gazastreifen kam es weiter zu Unruhen. In Eres, dem Übergang vom Gazastreifen nach Israel, bewarfen Palästinenser israelische Soldaten mit Steinen und Brandsätzen.

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