Nahost : Israel will humanitären Korridor öffnen

Ungeachtet der Bemühungen um eine Waffenruhe hat Israel am Mittwoch den zwölften Tag in Folge die Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Die Warenübergängen in den Gazastreifen sollen für humanitäre Hilfslieferungen geöffnet werden.

Israeli-Panzer Gaza
Teil der Offensive: Ein israelischer Panzer kurz vor einem Übergang zum Gazastreifen. -Foto: dpa

Tel Aviv/GazaDie israelischen Angriffe im Gazastreifen gehen weiter - trotz verschiedener Friedensinitiativen. Ein Militärsprecher sagte am Morgen, es seien etwa 40 Ziele beschossen worden, vor allem im Norden des Palästinensergebiets. Angesichts der dramatischen Versorgungslage der Bevölkerung ordnete der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak die Öffnung von Übergängen für Hilfslieferungen in den Gazastreifen an. Die israelische Regierung kam in Tel Aviv zu Beratungen über das weitere Vorgehen in dem Konflikt zusammen.

Israelische Medien berichteten, das Kabinett um Ministerpräsident Ehud Olmert wolle zunächst Berichte des Militärs und Geheimdienstes über das Fortschreiten der Offensive "Gegossenes Blei" in dem Palästinensergebiet hören. Dann müssten die Minister entscheiden, ob weitere Truppen nach Gaza entsandt werden oder man einer Waffenruhe zustimmen sollte. Ein Streitpunkt ist die Frage, ob die radikal-islamische Hamas-Organisation in eine Vereinbarung eingebunden werden soll. Israel lehnt dies bislang ab, weil es Hamas politisch nicht aufwerten und als Herrscher über den Gazastreifen anerkennen will.

Keine Luftangriffe zur Mittagszeit

Die israelische Armee will ihre Luftangriffe auf den Gazastreifen ab Mittwoch täglich für drei Stunden aussetzen. Wie eine Armeesprecherin mitteilte, wurde beschlossen, jeden Tag zwischen 12 und 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf Bombenangriffe zu verzichten.

Ägyptens Präsident Husni Mubarak hatte am Dienstagabend eine unverzügliche Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas vorgeschlagen, damit der durch die Kämpfe von der Versorgung abgeschnittenen Zivilbevölkerung geholfen werden kann. Im UN-Sicherheitsrat wurde die Initiative auch von US-Außenministerin Condoleezza Rice unterstützt. Ein Streitpunkt ist die Frage, ob die Hamas-Organisation in eine Vereinbarung eingebunden werden soll. Dies lehnt Israel bislang ab.

Hilfskorridor für Treibstoff und Nahrungsmittel

Durch den von Barak vorgeschlagenen "humanitären Korridor" für den umkämpften Gazastreifen sollen nach israelischen Angaben zunächst 460.000 Liter Treibstoff in den Gazastreifen geliefert werden. Etwa 80 Lastwagen sollten Hilfsgüter in das Palästinensergebiet bringen. Die israelische Armee beschoss nach eigenen Angaben am Mittwoch unter anderem Gebäude der Hamas, Bunker und Raketen-Abschussrampen. Die Luftwaffe habe auch Gruppen bewaffneter Palästinenser angegriffen. An der Grenze zu Ägypten seien mehr als zehn Tunnel bombardiert worden, die dem Waffenschmuggel dienten. Im israelischen Grenzgebiet schlugen nach Rundfunkangaben erneut aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen ein. (mhz/dpa/AFP)

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