Politik : Nahost-Konflikt: Bush: Radikale gewinnen Einfluss auf Arafat

Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, sich für ein Ende der Besetzung des Orient-Hauses in Jerusalem einzusetzen. Arafat wandte sich in Briefen unter anderem an UN-Generalsekretär Kofi Annan, US-Präsident George W. Bush, den russischen Staatschef Wladimir Putin und die EU, wie der palästinensische Rundfunk am Samstag unter Berufung auf die Autonomiebehörde meldete. Unterdessen drängten israelische Sicherheitskräfte palästinensische Demonstration vor dem Orient-Haus gewaltsam zurück. Die etwa hundert Demonstranten haben versucht, die vor dem Gebäude errichteten Barrieren zu durchbrechen.

Als Vergeltung für den tödlichen Selbstmordanschlag in Jerusalem am Donnerstag hatte Israel das Orient-Haus im arabischen Ostteil der Stadt in der Nacht zum Freitag besetzt und die israelische Fahne gehisst. Arafats Schreiben liegt laut dem Bericht ein 1993 vom heutigen Außenminister Schimon Peres unterzeichneter Brief bei, in dem Israel sich verpflichtet, die palästinensischen Institutionen in Ost-Jerusalem nicht anzutasten. Das Orient-Haus war bislang die inoffizielle Vertretung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Jerusalem, auch mehrere palästinensische Büros sind dort untergebracht.

Die stellvertretende israelische Verteidigungsministerin Dalia Rabin-Pelossof rechtfertigte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" die Vergeltungsmaßnahmen. "Wir senden damit eine Botschaft an Arafat, dass er nicht weitermachen kann wie bisher", sagte die Tochter des vor sechs Jahren ermordeten Friedensnobelpreisträgers Jitzak Rabin. In dem Gespräch schloss sie nicht aus, dass Israel auf lange Sicht auch wieder in die Palästinensergebiete einmarschieren könnte.

US-Präsident George W. Bush hat Israelis und Palästinenser zu mehr Anstrengungen für den Frieden im Nahen Osten aufgerufen. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC verlangte Bush am Freitag auf seiner Ranch in Crawford im Bundesstaat Texas vor allem von Palästinenserpräsident Jassir Arafat ein größeres Engagement zur Beendigung der Gewalt. Er sei zudem tief besorgt, dass Arafat immer mehr von radikalislamischen Gruppen beeinflusst werde, sagte der US-Präsident.

Die USA warfen Israel außerdem vor, mit der Besetzung des Orient-Hauses eine "ernste politische Eskalation" ausgelöst zu haben. Das Vorgehen unterhöhle das Vertrauen in eine Verhandlungslösung des Konfliktes und erhöhe die Gefahr einer weiteren Verschlechterung der Lage, sagte Gregg Sullivan, der Sprecher der Nahostabteilung des US-Außenministeriums in Washington.

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