Politik : Nahost-Konflikt: Der "Tanzim"-Führer macht Arafat die Führung streitig

Charles Landsmann

Er weiss, was das palästinensische Volk will: Marwan Barghouthi, 41-jährig, zog an der Spitze der meist jugendlichen Kämpfer in die bewaffnete Auseinandersetzung mit der israelischen Armee. Er ist der eigentliche Sieger dieser Unruhen, die er mit erstaunlichem taktischen Geschick geleitet hat. Barghouthi hat dank des Aufstands nicht nur die beste Startposition im Kampf um die Nachfolge Arafats, sondern nimmt schon jetzt eine so starke Stellung ein, dass Arafat bald vielleicht nur noch als Symbolfigur der Palästinenser wirken könnte. Barghouti wäre praktisch Ministerpräsident und Verteidigungsminister unter einem Präsidenten Arafat.

Arafat hat schon vor einiger Zeit die von Barghouthi ausgehende Gefahr für seine Stellung erkannt und - wie bei ihm in solchen Fällen üblich - versucht, ihm seine Flügel zu stutzen. Er liess den langjährigen Generalsekretär und damit Chef der Fatah-Bewegung, Arafats politischer Hausmacht, auf der Westbank vor zwei Monaten abwählen und durch Hassin al-Sheikh ersetzen. Barghouthi, der auch die Führung der von ihm gegründeten "Tanzim"-Kampftruppen der Fatah hätte abgeben müssen, kommandiert diese aber bis heute, als sei nichts gewesen.

Barghouthi, den Arafat vor seiner Rückkehr aus dem Exil als Vorhut in die palästinensischen Gebiete entsandte, war ehemals kommunistischer Studentenführer an der Universität Bir Zeit. Damals wurde er von Israel zu insgesamt 24 Jahren Haft verurteilt, von denen er sechs absaß, bis er 1987 ausgewiesen wurde. Anders als die übrigen Exilierten, ging er nicht nach Tunis, sondernwechselte er nur hinüber nach Jordanien, von wo aus er mühelos seine Leute dirigieren konnte.

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