Politik : Nahost-Krise: Friedensgegner legen Bombe in Jerusalem

Nur wenige Stunden nach der Einigung auf ein Ende der Gewalt im Nahen Osten hat am Donnerstag eine heftige Explosion in Jerusalem zwei Menschen in den Tod gerissen. Nach ersten Erkenntnissen der israelischen Polizei handelte es sich um eine Autobombe, die vermutlich von radikalen Palästinensern gezündet worden sei. Bei einem der beiden Todesopfer des Anschlags handelt es sich um die Tochter des Chefs der Nationalreligiösen Partei, Jizchak Levy. Dies teilte die Polizei am Donnerstag mit. Levys Nationalreligiöse Partei gilt als das Sprachrohr der jüdischen Siedler.

Das in der Nacht zum Donnerstag vereinbarte Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Palästinensern bleibt trotz des tödlichen Anschlags in Jerusalem in Kraft. Das Attentat ändere nichts an den Vereinbarungen, sagte Israels stellvertretender Verteidigungsminister Ephraim Sneh am Donnerstag im Fernsehen.

Bei beiden Opfern des Attentates handelt es sich allem Anschein nach um Juden. In der Nacht zum Donnerstag hatten sich der israelische Minister für regionale Zusammenarbeit, Schimon Peres, und Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Gaza geeinigt, in abgestimmten Erklärungen zum Gewaltverzicht aufzurufen. Der Anschlag hatte aber zunächst neue Unsicherheit darüber ausgelöst. Bei den seit Ende September andauernden Unruhen wurden mehr als 170 Menschen getötet, die meisten von ihnen Palästinenser.

Der Anschlag ereignete sich knapp eine Stunde, bevor der israelische Regierungschef Barak und Palästinenserpräsident Arafat hierzu im Rundfunk eine identische Erklärung verlesen wollten. Am Abend war unklar, ob dies noch am Donnerstag stattfinden sollte. Barak warf nach dem Attentat der palästinensischen Autonomie-Behörde vor, sie habe "die Zügel (im Kampf gegen den Terrorismus) aus der Hand gegeben". Er forderte die sofortige Wieder-Verhaftung von Dutzenden Extremisten der radikal-islamischen Hamas, die von den Palästinensern vor etwa drei Wochen aus den Gefängnissen entlassen worden waren.

Vor dem Anschlag in Jerusalem hatte Israels Armee am Donnerstagmorgen mit dem Abzug schwerer Waffen aus den Randgebieten um palästinensische Städte begonnen, wie Peres und Arafat dies vereinbart hatten. Die palästinensische Seite bemängelte jedoch den Umfang des israelischen Rückzugs. Trotz der Vereinbarung kam es am Morgen wieder zu vereinzelten Zusammenstößen zwischen protestierenden Palästinensern und israelischen Soldaten, bei denen zwei Palästinenser getötet wurden. Ein weiterer erlag in einem Krankenhaus in Gaza seinen am Mittwoch erlittenen Verletzungen. Nach israelischen Angaben eröffneten palästinensische Polizisten im Gaza-Streifen das Feuer auf eine israelische Militärpatrouille.

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