Politik : Nahost-Krise: Interview mit Israels Botschafter Mordechai Lewy

Steht der Nahe Osten vor dem nächsten Krieg?

Mordechay Lewy ist seit August diesen Jahres Geschäftsträger der israelischen Botschaft und damit höchster Diplomat seines Landes in Berlin.

Steht der Nahe Osten vor dem nächsten Krieg?

Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. Arafat muss wieder zu Sinnen kommen und alles tun, um die Gewalt zu stoppen. Wenn er das nicht will, wissen wir, dass er kein Gesprächspartner mehr für uns ist. Und wenn er es nicht kann, muss gefragt werden, ob er der geeignete Mann für den Friedensprozess ist.

Wie lässt sich diese Eskalation der Gewalt erklären?

Politisch. Arafat konnte oder wollte die Konzessionsbereitschaft unseres Regierungschefs Barak nicht honorieren. Er stand unter hohem internationalem Druck, bekam aber Rückenstärkung von arabischer Seite, die religiöse Karte zu spielen: auf der Hoheit über die heiligen Stätten, insbesondere den Tempelberg, zu beharren. Das hat ihn ermuntert, die Gewaltbereitschaft als Verhandlungsmasse zu verwenden. Zudem möchte er nicht als derjenige in die Geschichte eingehen, der auf etwas verzichtet, das die Moslems als ihr Eigentum betrachten. Er hat die religiösen Motive als explosives Material missbraucht. Zugleich wird jedoch darüber hinweggesehen, dass die jüdische Religionsausübung an der Klagemauer durch Steinwürfe stark eingeschränkt wird und jetzt auch noch das Josefsgrab zerstört wurde, obwohl die Palästinenser seine Erhaltung garantiert hatten.

Werfen Sie Arafat vor, dass er die Gewalt provoziert, oder, dass er sie nicht verhindert?

Was zählt, ist das Resultat.

Nicht nur die Palästinenser, auch die UN werfen Israel einen exzessiven Gebrauch militärischer Gewalt vor - so als ginge es um blutige Abschreckung.

Ist das ein Plädoyer, dass wir Steine zurückwerfen sollen, wenn Palästinenser auf uns schießen? Dass es nicht 60 Todesopfer auf israelischer Seite gibt, darf man nicht Israel zum Vorwurf machen. Wenn israelische Soldaten auf unverantwortliche Weise Gewalt gebraucht haben sollten, wird das disziplinarische Konsequenzen haben. Es ist nicht Israels Losung, auf Gewalt zu setzen. Wir bemühen uns um Entspannung und reagieren mit Zurückhaltung. Die Weltöffentlichkeit ist betroffen von den 60 oder mehr palästinensischen Toten. Aber sie sollte sich nicht in die Irre führen lassen: Deren Schicksal hätte Arafat verhindern können.

Was muss jetzt passieren, damit die Lage nicht außer Kontrolle gerät?

Die Gewalt muss gestoppt werden. Das ist auch der einzige Weg, auf dem Arafat das Vertrauen Israels zurückgewinnen kann.

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