Politik : Nahost: "Mit Worten kann man mehr erreichen als mit Bomben"

Hat Sie der Vorschlag einer Nahostkonferenz in Ber

Israels Botschafter in Deutschland: Schimon Stein.

Hat Sie der Vorschlag einer Nahostkonferenz in Berlin überrascht?

Ja, das hat er. Aber der Ort ist nicht das Wichtigste. Es geht darum, den Mitchell-Friedensplan endlich umzusetzen. Wir sind froh, dass Arafat im Gespräch mit Außenminister Fischer den Vorschlägen unseres Außenministers Peres zugestimmt hat.

Arafat hat ganz offiziell Berlin vorgeschlagen. Spricht aus Israels Sicht etwas dagegen?

Nichts spricht gegen Berlin. Genauso wenig wie gegen Gaza oder einen Ort in Israel oder anderswo. Wir haben uns noch nicht auf Berlin festgelegt. Es kommt vor allem auf den Inhalt der Gespräche an, auf ein verlässliches Ende der Gewalt. Dann können wir über weiteres reden, die wirtschaftliche Lage der Palästinenser. Schon vor Monaten haben die Palästinenser und haben wir dem Mitchell-Plan zugestimmt. Und doch sind wir noch immer am Nullpunkt: der Implementierung des Waffenstillstands. Darum muss es jetzt gehen: die Sicherheitskooperation. Wir müssen die Terroristen von der friedlichen Bevölkerung trennen.

Für viele Deutsche ist dies ein historischer Moment: Berlin als möglicher Ort eines Nahostgipfels. Und der deutsche Außenminister als Vermittler.

Wir freuen uns über den Einsatz von Minister Fischer. Wenn seine Anwesenheit ein Treffen möglich macht und dazu beiträgt, dass wir die Gewalt überwinden, dann begrüßen wir das umso mehr. Mit Worten kann man viel mehr erreichen als mit Bomben.

Wie reagieren ältere Israelis, die Opfer des Holocaust waren oder Angehörige verloren haben, auf den Berlin-Vorschlag?

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind ausgezeichnet. Es überrascht uns nicht, dass Außenminister Fischer wieder einen Beitrag zur Deeskalation leisten kann - wie schon Anfang Juni, als er nach dem Anschlag auf eine Diskothek in Tel Aviv Arafat dazu brachte, einen Gewaltverzicht zu erklären. Leider hielt der nur kurzfristig.

Gibt es bereits Anfragen Ihrer Regierung, welchen Ort in Berlin der israelische Botschafter für geeignet hält?

Nein. Außenminister Peres befindet sich im Ausland und kommt erst Ende der Woche zurück. Präsident Arafat fährt für einige Tage nach China. Über den Ort ihres Treffens wird wohl erst dann gesprochen.

Kann man so kurzfristig einen Gipfel in Berlin für kommende Woche organisieren?

Die israelische Regierung hat ein Treffen bereits vor Tagen angeboten. Jetzt hat auch Arafat zugestimmt. Wir hoffen, dass es so schnell wie möglich zu Gesprächen kommt. Der jüngste Bombenanschlag in Jerusalem zeigt, wie dringlich das ist.

Kann ein weiterer blutiger Bombenanschlag das Treffen verhindern?

Darüber möchte ich nicht spekulieren. Wir sind nicht bereit, den Terror zu tolerieren. Das erste Thema ist jetzt, die Gewalt zu stoppen.

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