Naser Khader : Dänemarks Königsmacher

Bei den Parlamentswahlen in Dänemark könnte die Partei eines syrischstämmigen Politikers Naser Khader Zünglein an der Waage sein.

André Anwar[Stockholm]
Khader
Auf Stimmenfang: Naser Khader in Kopenhagen. -Foto: AFP

Naser Khader ist lässig und schlagfertig bei seinen Auftritten. Der 44-Jährige läuft in Jeans und grauem Parker mit Fellkapuze herum. Am Bahnhof Norreport in Kopenhagen will der athletische Politiker mit den schwarzen Haaren und den kantigen Gesichtszügen Früchte austeilen und Stimmen fangen. Doch dazu kommt er kaum, weil so viele Journalisten ihm den Weg versperren. Am Dienstag wird in Dänemark gewählt. Khader könnte die starren Fronten zwischen bürgerlichem und linkem Lager aufbrechen.

Khader hat viel erreicht, seit er als zwölfjähriger Sohn einer syrisch-palästinensischen Einwandererfamilie nach Dänemark kam. Er studierte den Islam und hat sich seit 1984 in der linksliberalen Partei „Radikale Venstre“ hochgearbeitet. 2001 kam er als erster Einwanderer ins dänische Parlament, den Folketing. Seine derzeitige große Beliebtheit verdankt er der Affäre um die Mohammed-Karikaturen. Als die Regionalzeitung „Jyllands-Posten“ mit Karikaturen die ganze islamische Welt erregte, konnte er sich als Vermittler und Versöhner profilieren. Als im Nahen Osten dänische Flaggen brannten, gründete er den „Verein Demokratischer Muslime“ und beriet die Regierung von Anders Fogh Rasmussen. Er machte den Dänen deutlich, dass dänische Muslime keine Glaubensfanatiker sind.

Lange versuchte er, seine Mitte-links-Partei aus dem Dauerbündnis mit den oppositionellen Sozialdemokraten herauszubrechen. Als dies nicht gelang, gründete er im Sommer die Neue Allianz. Umfragen prognostizieren ihr vier bis sechs Prozent. Damit könnte Khader entscheiden, ob die liberalkonservative Regierung unter Ministerpräsident Rasmussen (54) im Amt bleibt oder von einer Mitte-links-Koalition unter der jugendlichen Sozialdemokratin Helle Thorning-Schmidt (40) abgelöst wird. Beide Blöcke liegen in Umfragen nicht weit auseinander.

Khaders Hilfe für Rasmussen hätte einen Preis: Der Premier dürfte nicht länger mithilfe der ausländerfeindlichen Dänischen Volkspartei (DF) regieren. Die liberalkonservative Minderheitsregierung ist seit 2001 von den Rechtspopulisten abhängig. Der Abschied von der DF könnte Rasmussen aber gelegen kommen. Die Zusammenarbeit mit ihr hat sich als zunehmend schwierig herausgestellt, gerade auch bei seinem Prestigeprojekt, einer umfassenden Reform der dänischen Verwaltung. Falls Khader die Verdrängung der DF aus dem inneren Machtzirkel Dänemarks gelingen sollte, hätte dies Konsequenzen: Zum einen würde die stramme Ausländerpolitik wieder weniger restriktiv werden. Khader will, dass Asylbewerber in Dänemark nicht in Heimen wohnen, sondern integriert in der Gesellschaft, wo sie auch arbeiten dürfen sollen. Er fordert, dass Dänemark seiner humanitären Verpflichtung nachkommt und allen irakischen Flüchtlingen mindestens zwei Jahre Schutz bietet, auch den Abgewiesenen. Zum andern will Khader, dass reguläre Einwanderung vom wirtschaftlichen Bedarf abhängig gemacht wird. Streng, aber human, so sein Motto.

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