Politik : Nasse Finger

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wer Sprecher ist, hat die Technik des Kleinredens erlernt. Unangenehme Gerüchte sind aufgekommen? Sie werden doch nicht allen Ernstes glauben, dass wir es für angebracht halten, auf jede wilde Spekulation einzugehen, könnte der geschulte Kleinredner antworten. Personalquerelen? Die Beteiligten haben Stillschweigen vereinbart, und ich möchte das wirklich nicht durchbrechen, wäre eine plausible Antwort. Kürzlich nun ging es um harte Fakten und konkrete Zahlen. Die befragte Ministeriumssprecherin wand sich ein wenig, und so sprang ihr der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg höchstpersönlich zur Seite. Da kursierten Gerüchte, meinte er, zu denen ihm nur ein polnisches Sprichwort einfalle: Die angeblichen Fakten seien „wie mit dem Finger auf Wasser geschrieben“.

Nun ja, die fraglichen Zahlen sind eher mit dem Laser-Drucker auf den Gesetzentwurf des Wirtschaftsministeriums geschrieben. Falls selbiges einen Laser-Drucker besitzt, ist man geneigt hinzuzufügen, aber beim brutalstmöglichen Reformministerium im ganzen Kabinett wollen wir das Vorhandensein moderner Print-Technologie einmal voraussetzen. Steg, das muss man ihm lassen, reagierte souverän. Er verzog sein Gesicht zu einem leichten Grinsen und enthielt sich jeden Kommentars. Wahrscheinlich entflohen seine Gedanken für einen Moment ans Wasser der polnischen Ostseeküste, und er träumte vom Eintauchen des Fingers in das labende Nass.

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