Politik : Nationaler Ethikrat: Expertengremium berufen

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Die Bundesregierung hat die Einrichtung eines "Nationalen Ethikrates" beschlossen. Das 24-köpfige Expertengremium soll über Möglichkeiten und Grenzen der Bio- und Gentechnik diskutieren und politische Empfehlungen abgeben. Im Ethikrat, der zunächst bis 2005 arbeiten wird, sind neben namhaften Wissenschaftlern auch Vertreter von Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitgebern versammelt. "Selten hatte die Politik so viel Beratungsbedarf wie beim Thema Bioethik", sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye in Berlin. Die anstehenden Probleme könnten nur im Einvernehmen mit der Gesellschaft gelöst werden.

Nach dem Willen des Kabinetts sollen im neuen Gremium alle ressortübergreifenden ethischen Fragen besprochen werden, etwa die umstrittene Präimplantationsdiagnostik. Der bereits bestehende Ethik-Beirat im Bundesgesundheitsministerium soll sich dagegen auf Gesundheitsprobleme beschränken. Darunter fällt nach Aussagen von Ministeriumssprecherin Annelies-Ilona Klug etwa die aktuelle Debatte um Sterbehilfe. Klug: "Derzeit befinden sich beide Gremien in der Abgrenzungsphase."

Im Bundestag wurde Kritik an der Neuordnung laut. Wolfgang Wodarg, SPD-Sprecher in der Ethik-Kommission des Parlaments, verlangte, die bioethische Debatte "nicht allein der Regierung zu überlassen".

Berufen sind: Wolfgang van den Daele (Wissenschaftszentrum Berlin), Horst Dreier (Universität Würzburg), Eve-Marie Engels (Universität Tübingen), Bischof Gebhard Fürst (Katholische Kirche), Detlev Ganten (Max-Delbrück-Centrum Berlin), Volker Gerhardt (Humboldt-Universität Berlin), Bischof Wolfgang Huber (Evangelische Kirche), Regine Kollek (Universität Hamburg), Cristiane Lohkamp (Huntington-Hilfe Stuttgart), Therese Neuer-Miebach (Fachhochschule Frankfurt am Main), Christiane Nüsslein-Volhard (Max-Planck-Institut Tübingen), Peter Propping (Universität Bonn), Heinz Putzhammer (DGB), Jens Reich (Max-Delbrück-Centrum Berlin), Bettina Schöne-Seifert (Universität Hannover), Richard Schröder (Humboldt-Universität Berlin), Spiros Simitis (Universität Frankfurt am Main), Lothar Späth (Jenoptik AG), Jochen Taupitz (Universität Mannheim), Kristiane Weber-Hassemer (Oberlandesgericht Frankfurt am Main), Hans-Jochen Vogel, Ernst-Ludwig Winnacker (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn), Christiane Woopen (Universität Köln).

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