Politik : Neue Angriffe auf Webseiten

Wikileaks weist Verantwortung für Attacken im Internet zurück

Berlin - Nach den Angriffen auf Webseiten mehrerer Firmen und Regierungsunternehmen hat ein Sprecher der Enthüllungsplattform Wikileaks jede Verantwortung dafür zurückgewiesen. Die Gruppe, die hinter den Angriffen steht, nennt sich „Anonymous“ und ist ein loser Zusammenschluss von Personen, die ihre Computer für gemeinsame Netzattacken unter dem Motto „Operation Payback“ zur Verfügung stellen. Die Gruppe sei nicht mit Wikileaks verbunden, hieß es am Freitag auf der Webseite der Enthüllungsplattform. Es habe auch keinen Kontakt zwischen Mitarbeitern von Wikileaks und jemandem bei Anonymous gegeben. Außerdem sei Wikileaks vorab nicht über die Angriffe informiert worden. In den vergangenen Tagen waren Webseiten der Firmen Mastercard, Visa, Paypal sowie der schwedischen Regierung mit Anfragen bombardiert – dies wird als „distributed denial of service“ (DDOS) bezeichnet – und teilweise vorübergehend lahmgelegt worden. Die betroffenen Firmen hatten zuvor Zahlungen an Wikileaks gesperrt, Schwedens Justiz hatte die Verhaftung von Wikileaks-Gründer Julian Assange in London erwirkt. Am Freitag wurde außerdem die Seite des Unternehmens Moneybookers angegriffen.

Der Sprecher von Wikileaks, Kristinn Hrafnsson, erklärte: „Weder verurteilen wir diese Angriffe noch unterstützen wir sie.“ Zugleich betonte er, die Netzattacken seien „Ausdruck der öffentlichen Meinung über die Aktionen der Ziele“. Die Angriffe auf die Firmen stoßen bei vielen Wikileaks-Unterstützern auf Kritik.

Am Donnerstag war in den Niederlanden ein 16-Jähriger festgenommen worden, der an dem Angriff auf die Seiten von Mastercard und Visa beteiligt gewesen und bereits gestanden haben soll. Er bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Weitere Festnahmen, auch in anderen Ländern, seien denkbar, hieß es bei der Staatsanwaltschaft in Den Haag. Nach der Festnahme des 16-Jährigen wurden die Webseiten der Staatsanwaltschaft und der niederländischen Polizei attackiert.

Auch Wikileaks selbst war unmittelbar vor und nach der Veröffentlichung der ersten Depeschen aus US-Botschaften Ziel von massiven DDOS-Angriffen. Wer dahintersteckt, ist bisher nicht geklärt. cvs

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben