Politik : Neue Theorie für Mord an Polizistin

Planten Neonazis Feldzug gegen Staatsvertreter?

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Berlin - Der mörderische Anschlag der Thüringer Terrorgruppe auf zwei Polizisten in Heilbronn könnte nach Informationen des Tagesspiegels einen anderen Hintergrund haben als bislang bekannt. Es sei zu vermuten, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im April 2007 die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen und ihren Kollegen Martin A. schwer verletzten, um einen Feldzug gegen Repräsentanten des Staates zu beginnen, heißt es in Sicherheitskreisen. Für diese These spricht, dass der Angriff auf die Beamten in einer Propaganda-DVD der Neonazis thematisiert und in dem Video gegen den Staatsapparat gehetzt wird. Mundlos und Böhnhardt hatten am 25. April 2007 Kiesewetter und dem zweiten Beamten in den Kopf geschossen.

Für wenig plausibel halten die Ermittler offenbar die Theorie, die aus Thüringen stammende Kiesewetter sei wegen früherer Kontakte zum Umfeld der Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ getötet worden. Dies gilt auch für die von einer Illustrierten präsentierte Geschichte, ein US-Geheimdienst sei in den Fall verwickelt. Hierfür liegen keinerlei Erkenntnisse vor.

Möglicherweise waren Mundlos und Böhnhardt in Heilbronn ursprünglich aus anderen Gründen unterwegs und bekamen dann mit, dass regelmäßig mittags ein Streifenwagen auf dem Parkplatz „Theresienwiese“ stand. Dies könnte die Neonazis zu einem gezielten Angriff auf die Beamten veranlasst haben. Ein kleines, aber möglicherweise bedeutsames Indiz ist die Nähe von Radwegen zum Parkplatz. Mundlos und Böhnhardt waren bei ihren Taten häufig mit Fahrrädern unterwegs. Bei Radfahrten im Bereich Theresienwiese könnte den beiden Neonazis aufgefallen sein, dass Polizisten mittags gewohnheitsmäßig den Parkplatz ansteuerten, um dort eine Pause einzulegen.

Es ist denkbar, dass die Terrorgruppe nach den neun Morden an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft die ebenfalls gehassten Staatsdiener ins Visier genommen haben. Hingegen erscheint die in Medien geäußerte Spekulation, Mundlos und Böhnhardt hätten die zwei Polizisten attackiert, um an deren Dienstwaffen zu gelangen, zweitrangig. Schließlich verfügten die Terroristen bereits über genügend Waffen. Vorstellbar sei eher, dass Mundlos und Böhnhardt die Pistolen von Kiesewetter und ihrem Kollegen sowie deren Handschellen und weitere Utensilien mitnahmen, um „Trophäen“ aus dem Kampf gegen den Staat zu erbeuten, sagten Experten. Bereits vor ihrem Untertauchen Anfang 1998 hätten Mundlos und Böhnhardt in der Region Jena Dienststellen der Polizei ausspioniert. Frank Jansen

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