Neuer Steinbrück-Sprecher : Umgeben von Fettnäpfen

Sein Sprecher, Michael Donnermeyer, hat dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück kein Glück gebracht – auf den Nachfolger Rolf Kleine warten kritische Fragen.

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„Zum Regieren brauche ich ,Bild’, ,Bams’ und Glotze.“ Es mag dieser berühmt-berüchtigte Satz des SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder gewesen sein, an den sich Peer Steinbrück erinnert hat, als er kürzlich über die Frage sinnierte, weshalb seine Kanzlerkandidatur bei den Wählern partout nicht zünden will. Auf jeden Fall hat Steinbrück, der ja wie Schröder Bundeskanzler werden will, am Montag seinen Sprecher, Michael Donnermeyer, herausgeschmissen und gegen einen Ex-„Bild“-Mann ersetzt. Der Alte, Donnermeyer, galt als Kommunikationsbeauftragter des SPD-Kanzlerkandidaten ohne Fortune und vor allem: Es eilt ihm der Ruf nach, keines der zahlreichen Fettnäpfchen gesehen zu haben, in die sein Chef seit vergangenem Herbst hineingestapft ist. Donnermeyer jedenfalls ist im Willy-Brandt-Haus Geschichte.

Rolf Kleine ist der Neue und jeder, der ihn kennt, weiß: Kleine ist von anderem Schrot und Korn als sein Vorgänger. 52 Jahre alt ist er, ein Duzfreund von Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und in der SPD bestens vernetzt. Zehn Jahre war Kleine politischer Journalist bei der „Bild“-Zeitung, beinahe genauso lang für die SPD zuständig und damit ein Medienprofi, der sehr lange Zeit Fettnäpfe für Politiker aufgestellt hat. Wenn also der Hang Steinbrücks zum Fettnapf an der fehlenden Sensibilität und Aufmerksamkeit seines Sprechers gelegen haben sollte, dann wird es nun solche Näpfe wohl nicht mehr geben.

Aber womöglich andere. Denn Kleine hat in den vergangenen zwölf Monaten sein Geld als Lobby-Manager des größten deutschen Wohnungsunternehmens, der Deutschen Annington, verdient. 120 000 Mietwohnungen sind im Besitz des Unternehmens, das in Mieterschutzkreisen als wenig zimperlich im Umgang mit Mietern, dafür aber als engagiert bekannt ist, wenn es um die Mehrung der Rendite geht. Die Anteile der Annington hält ausgerechnet auch noch eine Londoner Private-Equity-Gesellschaft namens Terra Firma Capital Partners – zu Deutsch eine „Heuschrecke“. Das alles zusammen könnte für Steinbrück unangenehme Nachfragen aufwerfen. Schließlich steht der SPD-Wahlkampf im Zeichen der Interessen von Mietern. Und da könnte ein Kanzlerkandidat, dessen engster Vertrauter von einem „Miethai“ im Besitz eines britischen Finanzjongleurs kommt, Anlass zu Misstönen geben. Zumal Kleines bisheriger Arbeitgeber zu einer Branche gehört, die die Pläne der SPD zur Einführung einer Mietpreisbremse scharf kritisiert. Antje Sirleschtov

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