NEW YORK : Ab an den Strand

Lars Halter

New York ist eine Stadt im Wandel. New York war immer eine Stadt im Wandel. Das begann mit den Einwanderern, die in Schüben aus aller Welt kamen und den kulturellen Horizont der Stadt stets erweiterten. Das hielt an mit wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen, und es gipfelt heute in den Bemühungen, die Acht-Millionen-Metropole lebenswerter zu machen.

„Quality of Life“ ist das Stichwort. Lebensqualität. Den Grundstein legte Bürgermeister Rudy Giuliani, der New York in den Neunzigerjahren sicherer machte, der amtierende Bürgermeister Michael Bloomberg macht sie nun schöner und gesünder. Seine Regierung planierte Radwege und Fußgängerzonen mitten am Broadway und investiert Rekordsummen in Parks wie die sensationelle Highline, eine ehemalige Hochbahntrasse.

Unter der Highline hat sich ein deutscher Biergarten eingenistet, dessen schickes Publikum ein gutes Stück New York symbolisiert: die Professionals, die abends bei einem Drink networken und tagsüber hart arbeiten, an der Wall Street, in den Anwaltskanzleien, beim Hightech-Start-up, im Modesektor oder für irgendeine Charity, die sich um Arme, Kranke oder Obdachlose kümmert, um all jene, die in der Metropole und überhaupt in Amerika durch das Raster fallen. Es sind entsetzlich viele, die durch das Raster fallen. Die Kluft zwischen Arm und Reich, die in den USA während der vergangenen beiden Jahrzehnte dramatisch gewachsen ist, ist nirgends so deutlich zu sehen wie hier, wo Banker mit siebenstelligen Gehältern auf dem Weg zu ihrer Arbeit im Financial District an Heerscharen von Bettlern vorbeilaufen. Die einen bitten um einen Dollar, die anderen gehen zum Lunch ins Steakhouse und am Abend in die Kulturtempel überall in der Stadt.

Viele gehen an den Strand. Für Neuankömmlinge dauert es ein bisschen, bis sie merken, dass zu New York auch der Atlantik gehört – man kennt die Lage der Stadt, bringt sie aber einfach nicht mit relaxter Beach-Stimmung in Verbindung. Dabei hat New York schöne Strände. Die in Brooklyn sind überfüllt, auf Staten Island gibt es genug Platz, sich auszubreiten. Das ist wichtig, denn grundsätzlich ist es eng in New York. Zu viele Menschen leben hier in der Sommerhitze. Sie sind schnell, hektisch, laut, und sich müssen täglich einen Hindernisparcour bewältigen, der sie in abenteuerlichem Tempo bei Rot über die Ampeln führt und im Zickzack-Kurs durch die Touristenmassen, die die Stadt im Sommer für sich einnehmen. Lars Halter

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