"News-of-the-World"-Skandal : Wurde auch das Handy der Queen geknackt?

Im Skandal um „News of the World“ gehen Politiker auf Distanz zu Rupert Murdoch. Laut BBC beschaffte ein korrupter Offizier der königlichen Leibwache Informationen.

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Ed Miliband, Oppositionsführer, erhöht den Druck auf Premier David Cameron. Foto: dpa
Ed Miliband, Oppositionsführer, erhöht den Druck auf Premier David Cameron. Foto: dpaFoto: dpa

Der britische Presseskandal spitzt sich an allen drei Fronten zu: Da, wo es um die illegalen Praktiken der eingestellten Zeitung „News of the World“ (NotW) von Rupert Murdoch und die Konsequenzen für die gesellschaftliche Kontrolle von Murdochs britischen Medieninteressen geht, im Fall der Verwicklung von Scotland-Yard-Polizisten in illegale Kooperationen mit der Zeitung und der Nähe zwischen der Regierung David Camerons und der Murdoch-Gruppe, die zunehmend kritisiert wird.

Die BBC berichtete unterdessen, NotW habe Handynummern und persönliche Informationen über die königliche Familie, möglicherweise auch über die Queen, durch einen korrupten Offizier der Leibwache beschafft. Abgehört wurden nach Berichten des „Guardian“ Thronfolger Prinz Charles und seine Frau Camilla. Auch andere Murdoch-Zeitungen geraten nun ins Visier: Die „Sunday Times“ soll mit illegalen „Phishing“-Methoden Informationen über den Gesundheitszustand von Ex-Premier Browns Sohn Fraser und einen Wohnungskauf der Browns beschafft haben.

Diese Vorwürfe müssten NotW-Vorgesetzten bereits 2007 bekannt gewesen sein, als entsprechende E-Mails einer Rechtsanwaltsfirma zur Durchsicht übergeben wurden. Unter den mutmaßlichen Mitwissern ist auch der damalige Chefredakteur der Zeitung, Andy Coulson. Er wurde später Kommunikationschef von Premier Cameron und gilt nun als wichtigster Verbindungsmann zwischen Cameron und der Murdoch-Presse. Cameron ist auch mit Rebekah Brooks befreundet, der Chefin von Murdochs Zeitungsholding News International.

Die neuen Enthüllungen dürften fürs erste einen Strich durch Murdochs Plan gemacht haben, den Bezahlsender BSkyB zu übernehmen. In einem strategischen Schwenk initiierte Murdoch am Montag selbst die kartellamtliche Untersuchung, die Labourchef Ed Miliband gefordert hatte. Das Zugeständnis, seinen Sender Sky News zu verkaufen, zog er zurück. Er setzt anscheinend darauf, dass es keine kartellrechtlichen Bedenken geben wird.

Vizepremier Nick Clegg traf sich am Montag mit der Familie der 2002 ermordeten 13-jährigen Milly Dowler, deren Handy von NotW-Journalisten und ihren Detektiven gehackt wurde. Die Mutter berichtete, wie sie flehentliche Anrufe hinterließ, die von NotW gelöscht wurden, um Platz in der Mailbox zu schaffen. Clegg wandte sich danach direkt an Murdoch: „Das ganze Land hat mit Abscheu auf diese Enthüllungen reagiert. Tun sie das Anständige und Vernünftige und überdenken sie ihr Angebot für BSkyB“.

Das Meinungsinstitut Yougov gibt Clegg recht: Nur 9 Prozent der Briten billigen nach einer Umfrage die Übernahme. Auch der Filmstar Hugh Grant und der Sänger George Michael, die Opfer der NotW wurden, stimmen in den anschwellenden Anti-Murdoch-Chor ein. Kulturminister Hunt legt der Aufsichtsbehörde inzwischen nahe, die Übernahme von BSkyB „im Licht der jüngsten Ereignisse“ erneut zu überprüfen.

Labourchef Miliband zielte indes direkt auf Premier Cameron. Cameron habe noch viele Fragen zu beantworten, vor allem, wie viel er von dem Skandal wusste, als er Coulson 2007 als Kommunikationsstrategen einstellte – nur Monate, nachdem der wegen des Skandals seinen Posten als NotW-Chefredakteur aufgeben musste. Cameron beteuert, Coulson habe ihm versichert, er habe nichts von den illegalen Aktivitäten gewusst. Aber Cameron erhielt viele Warnungen, vor allem von den Liberaldemokraten. Auch der Chefredakteur des „Guardian“, der die Affäre aufdeckte, will ihn über einen Mitarbeiter gewarnt haben.

Miliband ist bisher der einzige Gewinner der Krise. Er distanzierte sich am deutlichsten von der plötzlich allen peinlichen Nähe zwischen britischen Regierungen und Murdoch und sammelte damit nicht nur Punkte gegen Cameron, sondern stabilisierte seine eigene wacklige Position bei Labour. Miliband bestätigte, dass der frühere Premier Gordon Brown eine richterliche Untersuchung der Medienmacht Murdochs plante. „Wir müssen herausfinden, warum daraus nichts wurde“, sagte er am Montag.

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