Politik : Nicht aus Pakistan – aus Kuwait

Mit einem Trick erreichten die USA Scheich Mohammeds Auslieferung

Frank Jansen

Den Amerikanern ist es offenbar mit einem Trick gelungen, den in Pakistan festgenommenen Topterroristen der Al Qaida, Khalid Scheich Mohammed, aus dem Land herauszubringen. Der Drahtzieher der Anschläge des 11. September wurde Mitte der 60er Jahre als Sohn pakistanischer Eltern in Kuwait geboren und hätte nicht ausgeliefert werden dürfen. Doch nach Rücksprache mit europäischen Geheimdiensten hätten die Amerikaner gemeinsam mit dem pakistanischen Regime Khalid Scheich Mohammed „als Kuwaiter ausgegeben“, heißt es in Sicherheitskreisen. Damit sollten Pakistans Militärmachthaber General Pervez Musharraf größere Proteste von Islamisten erspart werden. Tatsächlich blieben Unruhen aus, als die Amerikaner Khalid Scheich Mohammed zu ihrem Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan brachten. Dort wird er zurzeit von Spezialisten der CIA verhört.

Möglicherweise haben Amerikaner und Pakistanis auch bei der Bekanntgabe der Festnahme Mohammeds getrickst. Am 1. März berichteten pakistanische Sicherheitsbeamte, Spezialkräfte hätten Mohammed vor wenigen Stunden bei einer Razzia in der Großstadt Rawalpindi gestellt. Der ehemalige Chef des pakistanischen Geheimdienstes ISI, Hamid Gul, hat jedoch in dieser Woche behauptet, der Al-Qaida-Mann sei schon einige Zeit vor dem 1. März inhaftiert worden. Dazu passt, dass pakistanische Regierungskreise am 2. März mitteilten, Mohammed sei bereits den USA übergeben worden – und dies kurz darauf dementierten. In deutschen Sicherheitskreisen heißt es, in der Nacht zum 1. März sei die Information über die Festnahme Mohammeds dem Lagezentrum des Bundesnachrichtendienstes übermittelt worden – allerdings ohne einen Termin, wann die amerikanischen und pakistanischen Fahnder zugeschlagen hatten.

Unterdessen verstärken sich die Gerüchte, Osama bin Laden sei in Pakistan festgenommen worden. Der Innenminister der Provinz Belutschistan, der Anführer einer Islamistenpartei sowie ein iranischer Radiosender hatten in den vergangenen Tagen die Verhaftung gemeldet. Die USA wiesen die Berichte jedoch zurück. In deutschen und internationalen Sicherheitskreisen wird vermutet, die Regierung Bush wolle bin Laden an dem Tag als Gefangenen präsentieren, an dem der Militärschlag gegen den Irak beginnt – mit dem Kalkül, die weltweiten Proteste gegen den Krieg durch den großen Erfolg im Anti-Terror-Kampf zu überblenden.

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