Niedrige Zinsen : Droht eine neue Finanzkrise?

Die amerikanische Notenbank belässt es bei den niedrigen Zinsen und dem billigen Geld. Das ist fahrlässig. Denn damit wächst die Gefahr einer neuen Finanzkrise. Ein Kommentar.

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Schluss mit Party. Die Börsen gingen rund um den Globus in die Knie.
Schluss mit Party. Die Börsen gingen rund um den Globus in die Knie.Foto: dpa

Es wäre nur ein kleiner Schritt gewesen: Am vergangenen Donnerstag wollte die amerikanische Notenbank eigentlich mit einer Zinserhöhung das offizielle Ende der Finanzkrise verkünden. Doch dann haben sich die Banker der Federal Reserve nicht getraut. Wieder einmal.

Wie Drogensüchtige verschieben auch sie den Entzug immer wieder auf den nächsten Tag. Damit aber wächst die Gefahr einer neuen Finanzkrise. Seit der Lehman-Pleite vor sieben Jahren versorgt die amerikanische Notenbank die Finanzmärkte mit Geld fast zum Nulltarif. Das billige Geld hat an der US-Börse für neue Höchststände gesorgt. Innerhalb weniger Jahre hat der Dow-Jones-Index 70 Prozent gewonnen. Nicht nur die Amerikaner, auch Chinesen und Brasilianer haben billigste Dollarkredite aufgenommen und damit zum Beispiel Aktien und Immobilien gekauft. Überall sind neue Spekulationsblasen entstanden. Das sorgt jetzt für Unsicherheit und Angst: In China wackeln Konjunktur und Börse bedenklich, in anderen Schwellenländern geht die Angst um.

Noch mehr billiges Geld löst das Problem nicht

Kein Wunder, dass sich die amerikanische Notenbank schwertut, mit dem Drogenentzug anzufangen. Doch noch mehr billiges Geld löst das Problem nicht. Der einheimische Arbeitsmarkt mache immer noch Sorgen, hieß es zur Begründung. Doch in den USA herrscht mit einer Arbeitslosenquote von 5 Prozent Vollbeschäftigung. Die Inflation sei beängstigend niedrig, argumentierten andere – das aber liegt im Wesentlichen am niedrigen Ölpreis, der der wirtschaftlichen Entwicklung eher nutzt als schadet.

Nicht einmal die Börsen hat die Fed überzeugt. Normalerweise feiern die Aktienmärkte eine Party, wenn die Zinsen trotz glänzender wirtschaftlicher Aussichten nicht erhöht werden. Dann nämlich lohnt sich das Geldanlegen in Aktien, während das normale Sparen unattraktiv bleibt. Doch diesmal gingen die Börsen rund um den Globus in die Knie. Selbst die wildesten Spekulanten fürchten nun, dass die Fed die Kontrolle über Geld und Zinsen verliert – und dass es am Ende wieder so kommt wie vor der Krise: Niemand wagt es, die Bowle-Schüssel vom Tisch zu nehmen, wenn die Festgesellschaft schon ordentlich angeschickert ist.

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