Nigeria : Boko Haram entführt erneut junge Frauen

Kurz vor dem Besuch von Bundesentwicklungsminister Müller in Nigeria hat die islamistische Boko Haram erneut zugeschlagen und 22 junge Frauen verschleppt. Bei dem Überfall auf ein Dorf seien auch zahlreiche Häuser angezündet worden.

Die Boko Haram hat gedroht, die verschleppten Mädchen als Sklavinnen zu verkaufen.
Die Boko Haram hat gedroht, die verschleppten Mädchen als Sklavinnen zu verkaufen.Foto: AFP

Zwei Monate nach der Entführung von mehr 200 Schulmädchen sind im Norden Nigerias 22 junge Frauen verschleppt worden. Die Täter gehören mutmaßlich der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram an. Die Entführung ereignete sich in der Nähe der Stadt Chibok im Bundesstaat Borno, wie der Sender Television Continental berichtete. Auch drei Dorfbewohner, die die Frauen beschützen wollten, seien in der Gewalt der Angreifer.

Am Dienstagnachmittag brach Entwicklungsminister Gerd Müller nach Nigeria auf, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Armut und Perspektivlosigkeit sind der Nährboden für Terror und Unruhen“, sagte der CSU-Politiker vor seiner Abreise. Deshalb müsse die Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria gerade jetzt vertieft werden.

Deutschland hat das bevölkerungsreichsten Land Afrikas im vergangenen Jahr mit 24,5 Millionen Euro unterstützt. Die Boko Haram, die jeden westlichen Lebensstil strikt ablehnt, will im Norden Nigerias einen islamischen Gottesstaat errichten. Allein seit Anfang des Jahres wurden durch den Terror der Islamisten mindestens 1500 Menschen getötet. Die Entführung der 200 Schulmädchen hat international für Aufsehen gesorgt. Trotz intensiver Suche auch mit ausländischer Hilfe konnten die Mädchen bis heute nicht befreit werden. Die Boko Haram hatte gedroht, sie als Sklavinnen zu verkaufen, und erklärt, viele seien zum Islam übergetreten.

Mädchen und junge Mütter im Fokus der Entführer

Die Hintergründe der neuen Entführung werden noch ermittelt. „Wir müssen uns noch ein genaues Bild von der Tat machen. Und dann entscheiden wir, welche Maßnahmen ergriffen werden“, sagte ein Regierungsfunktionär.
Ein Bürger des Dorfes Dikway, aus dem die Frauen verschleppt wurden, sagte, die Angreifer seien auf Motorrädern und in Fahrzeugen gekommen und hätten schwere Waffen dabeigehabt. „Sie hatten es auf Mädchen und junge Mütter abgesehen; ältere Frauen haben sie in Ruhe gelassen.“ Die Extremisten seien tagsüber über das Dorf hergefallen, fügte der Zeuge hinzu. Die Täter hätten auch zahlreiche Häuser angezündet.

Entwicklungsminister Müller will in der Hauptstadt Abuja und in der Wirtschaftsmetropole Lagos mit Vertretern von Regierung, Wirtschaft, politischen Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen und Religionsgemeinschaften sprechen. Außerdem wird er sich von Deutschland geförderte Projekte ansehen.

Am Donnerstag wird Müller auch Aktivisten der Initiative „Bring back our girls“ (Bringt unsere Mädchen zurück) treffen, die sich für die Befreiung der entführten Mädchen einsetzt. Nigeria ist drei Mal so groß wie Deutschland und hat rund 170 Millionen Einwohner, mehr als doppelt so viele wie Deutschland. (dpa)

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