Nordkorea : Hinweise auf zweiten Atomwaffentest

Neue Drohungen Nordkoreas und angebliche Hinweise auf einen zweiten Atomwaffentest haben die Spannungen mit der Führung des kommunistischen Landes verschärft. Die USA warnten Nordkorea vor einem erneuten Test.

Pjöngjang - Wenige Stunden nach einem Bericht des US-Senders NBC zu möglichen neuen Testvorbereitungen, sprach am Dienstag auch Japans Außenminister Taro Aso von entsprechenden "Informationen". Er könne jedoch keine Einzelheiten publik machen. Zurückhaltender reagierte Seoul: Die jüngsten Geheimdienstdaten aus der Nähe des ersten Testortes in Nordkorea müssten erst ausgewertet werden. Pjöngjang drohte bei Verletzung seiner Souveränität mit Vergeltung. China rief zur Mäßigung auf.

Die USA warnen Nordkorea vor einem zweiten Atomwaffentest. "Wenn sie glauben, dass wir das durchgehen lassen, werden sie merken, dass sie Unrecht haben", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow. Es sei "vernünftig", sich auf einen zweiten Test einzustellen, fügte Snow hinzu. Dies zeige ein Blick in die Vergangenheit. Die Regierung von Nordkorea wolle vermutlich "alles tun, um den Willen, die Entschlossenheit und die Einheit der Vereinten Nationen, des Sicherheitsrates und der an den Sechs-Nationen-Gesprächen beteiligten Länder auf die Probe zu stellen". Dies "wäre keine gute Sache" für Nordkorea.

Politisch betrachtet, habe Nordkorea immer versucht, zu provozieren, sagte Snow weiter. Auf der technischen Ebene wolle Pjöngjang möglicherweise versuchen, Mängel zu beheben, denn der am 9. Oktober vorgenommene Test sei nur schwach gewesen.

Paris droht mit "neuen Maßnahmen gegen Nordkorea"

Frankreich drohte Nordkorea mit einer Verschärfung der Sanktionen. "Es versteht sich von selbst, dass ein neuer Test Nordkoreas ein Akt außerordentlicher Unvernunft von Seiten dieses Landes wäre, der seine Isolierung nur verstärken kann", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. In diesem Fall werde der UN-Sicherheitsrat "neue Maßnahmen gegen Nordkorea" ins Auge fassen. "Um es sehr klar zu sagen: Wir richten an Nordkorea eine Warnung in dieser Frage", sagte der Sprecher. Frankreich ist eines der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates.

NBC berichtete am Montagabend unter Berufung auf Geheimdienstkreise, Spionage-Satelliten der USA hätten in der Nähe des Testgeländes, das am 9. Oktober für eine erste Explosion genutzt wurde, Bewegungen von Menschen und Fahrzeugen registriert, die auf neuerliche Testvorbereitungen hinwiesen. Es gebe allerdings keine Beweise dafür, dass ein solcher Test "unmittelbar" bevorstehe. Eine Woche nach dem ersten Test hatte der US-Geheimdienst am Montag bestätigt, dass es sich tatsächlich um eine atomare Explosion gehandelt habe.

Japans Außenminister Aso sagte lediglich, die Regierung in Tokio habe "Informationen mit Verbündeten ausgetauscht". Der Generalsekretär der regierenden Liberal-Demokratischen Partei Japans, Hidenao Nakagawa, drohte Pjöngjang mit Strafmaßnahmen, falls sie einen weiteren Test vornehme. Nach dem Test vom 9. Oktober hatte Japan bereits einen umfassenden Importstopp für Waren aus Nordkorea verhängt.

Südkorea rechnet "mit allem"

In Seoul sagte ein Regierungsvertreter der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, "wir rechnen zwar mit allem, sind aber sehr vorsichtig bei der Analyse der Nordkorea betreffenden Geheimdiensterkenntnisse". Die beobachteten Militärbewegungen müssten nicht mit Testvorbereitungen in Verbindung stehen. Ähnlich zurückhaltend äußerte sich Seouls Unterhändler bei den Sechs-Nationen-Gesprächen über Nordkoreas Atomprogramm, Chun Yung Woo, zu neuen Drohungen aus dem Norden: "Das ist keine Überraschung", sagte Chun.

Pjöngjang drohte jedem Land, das auf der Grundlage der UN-Resolution gegen den Atomwaffentest die "Souveränität und das Überlebensrecht" Nordkoreas bedrohe, mit "gnadenlosen Schlägen". Die am Samstag verabschiedete UN-Resolution 1718, die eine Serie von Sanktionsbeschlüssen beinhaltet, komme einer "Kriegserklärung" gleich, meldete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Vor allem die US-Aktivitäten würden beobachtet. Den Atomwaffentest vom 9. Oktober bezeichnete Nordkorea erneut als legitim.

China ruft zur Mäßigung auf

China forderte das Nachbarland daraufhin zur Mäßigung auf. Pjöngjang und alle anderen betroffenen Parteien sollten Zurückhaltung an den Tag legen, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Pjöngjang solle alles unterlassen, was "die Spannungen verschärfen" könne. Gleichzeitig bekannte sich China zu der UN-Resolution, allerdings unter Berücksichtigung der eigenen nationalen und Handelsinteressen, wie der Sprecher sagte.

In den Bemühungen um eine möglichst breite Durchsetzung der Sanktionen nahm der stellvertretende US-Außenminister und Sonderbeauftragte für Nordkorea, Christopher Hill, Gespräche in Seoul auf. Aus Tokio kommend sollte Hill ein für Donnerstag geplantes Treffen von US-Außenministerin Condoleezza Rice mit dem südkoreanischen Außenminister und künftigen UN-Generalsektretär Ban Ki Moon sowie dessen japanischem Kollegen Aso vorbereiten. US-Präsident George W. Bush lehnte erneut die Aufnahme direkter Verhandlungen mit Pjöngjang ab.

Auch die Europäische Union will Nordkorea weiter unter Druck setzen. Es komme nun darauf an, "den Nordkoreanern klarzumachen, dass es keine weiteren Atomtests mehr geben darf", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Rande eines Treffens mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg. Zu Berichten über einen angeblich geplanten zweiten Atomwaffentest äußerte er sich nicht. (tso/AFP)

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