Nordrhein-Westfalen : Linke Fusion mit Hindernissen

In Nordrhein-Westfalen fühlen Teile der WASG sich als "nützliche Idioten" bei der Parteifusion. Gegenwärtig gibt es ein heftiges innerparteiliches Gerangel um den künftigen Kurs der Partei.

Jürgen Zurheide

DüsseldorfOskar Lafontaine lächelt sein schönstes Lächeln. In beiden Fenstern der Parteigeschäftsstelle beglückt der neue Frontmann der Linken die Passanten von einem großen Plakat herab mit dem altbekannten Satz: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Noch hängt Lafontaine in gleich zwei Düsseldorfer Schaufenstern: dem der WASG-Parteizentrale in Bahnhofsnähe und dann noch einmal im Stadtteil Bilk bei den Linken von der PDS. „Wir suchen jetzt ein neues Büro, wo wir das zusammenführen“, erklärt Wolfgang Zimmermann, designierter Chef der neuen Linken in Nordrhein-Westfalen. Ob Lafontaine dann immer noch ausgehängt wird, ist unklar, denn gegenwärtig gibt es ein heftiges innerparteiliches Gerangel um den künftigen Kurs der Partei.

Bis Ende Oktober muss man sich entscheiden, am 21. und 22. soll in NRW die neue Partei gegründet werden. Eigentlich hatte man sich für diesen Anlass schon am 15. September treffen wollen, aber der Termin wurde gestrichen. Die offizielle Begründung wird von dem einen oder anderen bezweifelt. „Die Verschiebung hat mit der großen Afghanistan-Demonstration in Berlin zu tun, da wollen viele von uns hin“, sagt Wolfgang Zimmermann – aber das ist nur die eine Wahrheit. Hinter den Kulissen wird mächtig gestritten, prallen unterschiedliche Kulturen aufeinander. „Die WASG hat für die PDS den nützlichen Idioten gespielt“, schimpft zum Beispiel Georg Führböck, eines der enttäuschten WASG-Mitglieder. Als Sprecher hatte er die Fahne der WASG bis zum Schluss hochgehalten und auch bei der Mitgliederbefragung gegen die Fusion gestimmt – vergeblich.

83 Prozent der WASG-Mitglieder hatten in Nordrhein-Westfalen für den Zusammenschluss plädiert. Dieses eindeutige Ergebnis hatte allerdings einen Schönheitsfehler: An der Abstimmung hatte nicht einmal die Hälfte der Mitglieder teilgenommen. „Das war eine Form des innerparteilichen Protestes“, urteilt Georg Führböck, der seinen Posten als Sprecher der Partei zur Verfügung gestellt hat. In seiner Heimatstadt Bonn wird er gedrängt, für den Vorstand zu kandidieren. „Ich habe mich noch nicht entschieden“, sagt er. Täte er es, wäre das ein neues Signal für die Spaltung der Partei.

Auch jenseits des Grundkonflikts zwischen WASG und PDS gibt es jede Menge inhaltliche Streitpunkte. Da finden sich Realos und Fundis, daneben tummeln sich jede Menge Ultra-Linke. Offen ist auch die Haltung zu möglichen Koalitionen. Während die PDS immer wieder ihr Beispiel Berlin erklären muss, haben sich die Nordrhein-Westfalen noch nicht entschieden. „Ich kenne keine Gruppierung, die grundsätzlich gegen eine Regierungsbeteiligung ist“, sagt Wolfgang Zimmermann. Aber er legt die Latte hoch: „Einen Koalitionsvertrag wie in Berlin würde es mit mir nicht geben.“ Die Gefahr besteht im Moment auch nicht. Obwohl die neue SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft jede Koalitionsaussage ausdrücklich verweigert und damit Raum für Spekulationen lässt, ist eine Zusammenarbeit höchst unwahrscheinlich. Jürgen Zurheide

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