Notengebung : Im Sommer kommt der Tüv für Pflegeheime

Neues Bewertungssystem für Pflegeheime: Ende August soll es die ersten Noten geben – und wie die Prüflinge abgeschnitten haben, ist fortan im Internet nachzulesen. "Endlich", sagt Peter Pick, der Geschäftsführer des mit den Prüfungen betrauten Medizinischen Dienstes der Krankenkassen.

Rainer Woratschka

BerlinBerlin - Ende August soll es die ersten Noten geben – und wie die Prüflinge abgeschnitten haben, ist fortan im Internet nachzulesen. „Endlich“, sagt Peter Pick, der Geschäftsführer des mit den Prüfungen betrauten Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Transparenz lautet das neue Zauberwort für Pflegeheime, und Pick spricht von einem „Quantensprung“. Künftig könne sich jeder bis ins Detail darüber informieren, wie es in den rund 11 000 Heimen um Hygiene, Lebensmittel- und Arzneiversorgung bestellt ist, ob und wie Stürze und Druckgeschwüre verhindert werden und wie man dort mit den Bewohnern im Allgemeinen und etwa mit Demenzkranken im Besonderen umgeht. „Alle Ergebnisse werden veröffentlicht“, verspricht Pick, „nicht nur die positiven wie bisher auf gewissen Internetplattformen.“

Damit die Qualität für Laien auf den ersten Blick verständlich ist, haben sich der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen und die Heime an Schulzeugnissen orientiert. Die Note eins steht für „sehr gut“, fünf für „mangelhaft“. Vorgesehen sind eine Gesamtnote aus 64 Einzelkriterien, vier Teilnoten zu den Bereichen Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit Demenzkranken, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene“. Am gewichtigsten für die Gesamtnote ist der erste Bereich, die Zufriedenheit der Bewohner spiegelt sich in einer gesonderten Zensur, und zur Orientierung finden sich neben all dem die Landesdurchschnittsnoten. Auf die Note „ungenügend“ wurde verzichtet. Bei gravierenden Mängeln pochten die Kassen auf Nachbesserung, heißt es, notfalls verfüge die Heimaufsicht eine Schließung.

Im September 2007 hatten die Prüfer jedem zehnten Heimbewohner einen unzureichenden Pflegezustand bescheinigt. Seither, so sagt Pick, gebe es bereits Verbesserungen und die Transparenz werde „einen weiteren Beitrag leisten“. Gute Häuser könnten nun mit ihren Zensuren werben, schlechte gerieten unter Druck, freut sich Dieter Voß vom Vorstand des GKV-Spitzenverbandes.

Im Mai beginnen die Tests nach den neuen Kriterien. Mit Vor- und Nachbereitung dauert eine Prüfung fünf Tage und kostet rund 4500 Euro. Lässt sich ein Heim in der Hoffnung auf bessere Noten ein weiteres Mal prüfen, muss es die Kosten selber tragen. Bis Ende 2010 sollen die Prüfer mit allen Heimen und Pflegediensten einmal durch sein, ab 2011 wird jährlich und unangemeldet kontrolliert. Bisher wurden die Tests vorher angekündigt, und die Ergebnisse durften nicht heimbezogen veröffentlicht werden. Rainer Woratschka

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